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Freitag, 3. April 2026

Todesstrafe für Palästinenser? - Eine Übersicht

 

Screenshots verschiedener Schlagzeilen großer Medien

Das israelische Parlament, die Knesset, hat am Montag eine Gesetzesänderung beschlossen, die die Todesstrafe vorsieht.
Eine Zusammenfassung.

Am Montag hat die Knesset eine Gesetzesänderung beschlossen, die die Todesstrafe für Terrorismus vorsieht. Sowohl die Medien, als auch Social Media, gehen steil. Das Gesetz wird häufig als rassistisch beschrieben, da es nur für Palästinenser gelten würde.
Das Problem ist: Die wenigsten scheinen das Gesetz tatsächlich gelesen zu haben.

Bereits an dem Montag hatte ich mir die öffentlich zugänglichen Informationen herausgesucht und versucht, irgendwie zu verstehen, was dort genau beschlossen wurde. Das hatte ich dann auf Social Media gepostet.

Bis zum nächsten Tag waren die allgemeinen Reaktionen so enorm, dass mein Ehrgeiz geweckt war. Ich merkte schnell, dass das Gesetz nirgendwo öffentlich zugänglich war. Denn die Knesset hatte ihre Homepage eingeschränkt.
Mir gelange s dann doch, zumindest den letzten Gesetzesentwurf zu bekommen. So, wie er in die Abstimmung gegangen ist. Den Entwurf für die zweite und dritte Lesung, das heißt in Deutschland tatsächlich genauso.

Dann gab es einige Problemchen mit der Übersetzung. Weil unterschiedliche Übersetzer ein ganz entscheidendes Wort unterschiedlich übersetzten.
Schlussendlich ist es aber dennoch gelungen.

Deshalb gebe ich hier barrierefrei eine Zusammenfassung der Ergebnisse und Postings wieder. Auch, weil diese recht Häufig von Nutzerinnen und Nutzern gespeichert und geteilt wurden.
Zumal mir ein wichtiges Detail auch erst durch aufmerksame Kommentare auffiel. Aber genau dafür hatte ich das Original ja öffentlich bereitgestellt. Danke auch hier nochmal.

Auch hier der leider nötige Hinweis:
Ich persönlich bin grundsätzlich gegen die Todesstrafe. Und ich lehne die Rechtsradikalen in der israelischen Regierung ab.
Ich verteidige nicht das Gesetz, sondern stelle die Fakten zur Verfügung.

Vorgeschichte und Hintergrund

Um die Vorgänge richtig einordnen zu können, ist etwas Hintergrund notwendig.

Ein Gesetzgebungsverfahren dauert in Israel ähnlich lange, wie in Deutschland.
Den ersten Entwurf zu dem Gesetz konnte ich bis zum November 2025 zurückverfolgen.

Eingebracht wurde der Entwurf durch die ultranationalistische Partei Otzma Yehudit („Jüdische Stärke“) die mit 5% im Parlament sitzt. Die Sperrklausel der Knesset liegt bei 3,25%.
Da Netanjahu sich an der Macht halten wollte, ist er nach der Wahl 2022 eine Koalition mit den rechtsradikalen Parteien eingegangen. Und denen musste er Ministerposten versprechen.
Mit dabei ist auch die Mafdal, die aber auch nur 5,8% in der Knesset hat. Deren Vorsitzender Smotrich heute Finanzminister ist und immer wieder durch radikale Äußerungen auf sich aufmerksam macht.

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Der Sicherheitsminister Itama Ben-Gvir mit Personenschutz auf dem Tempelberg. 03.08.2025

Der Vorsitzende der Otzma Yehudit ist Itamar Ben-Gvir. Der wurde bereits 2007 wegen rassistischer Aufhetzung und Unterstützung einer terroristischen Vereinigung verurteilt. Nur eine von dutzenden Anklagen über viele Jahre. Und ausgerechnet der ist nun Polizeiminister.

Der ist aber entgegen vieler Behauptungen gar nicht Initiator des Gesetzes, sondern Limor Son Har-Melech, die für die im Parlament sitzt.
Limor Son Har-Melech war Siedlerin, als sie - im siebten Monat schwanger - während der zweiten Intifada 2003 mit ihrem Mann im Auto von bewaffneten Palästinensern angegriffen wurde. Ihr Mann wurde getötet, sie und das ungeborene Kind überlebten schwer verletzt.
In englischen Quellen wird sie als „anti-arabisch rassistisch“ bezeichnet.

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Die rechtsradikale Abgeordnete Limor Son Har-Melech. Die Narbe im Gesicht stammt von dem Überfall durch radikale Palästinenser. Die Kopfbedeckung (Tichel, hebr.: Mitpachat) weist sie als orthodoxe Jüdin aus. 27.02.2025

Kein neues Gesetz

Der eingebrachte Gesetzesentwurf ist kein neues Gesetz, sondern eine Gesetzesänderung.
Und das macht die Sache für Laien kompliziert. Denn man muss genau schauen, welche Gesetze wie geändert werden sollen. Die im Entwurf aber nicht mehr genannt werden. Auch das läuft in Deutschland ganz genauso.
Das könnte ein Grund sein, warum viele Medien und sogar Politiker nur einen Teil der Änderung beachtet haben.

Denn der Gesetzesentwurf soll zwei Gesetze ändern. Das ergibt sich aus der Lebensrealität in Israel.
Für Verbrechen in Israel ist ein ziviles Strafgericht zuständig. Für das Besetzte Westjordanland, genauer gesagt nur für die vollständig von Israel kontrollierten Gebiete C, aber Militärgerichte.
Wir haben also einmal eine Änderung der Vorschriften für die Militärgerichte und einmal eine Änderung des Strafgesetzbuches.

Änderung der Militärvorschrift

Zunächst die Änderung des §209 der „Verordnung über Sicherheitsvorschriften“.
„Das Gebiet“ ist in dem Entwurf definiert als das Westjordanland. Das in Israel aus historischen Gründen aber nicht so genannt wird. (Den Namen bekam es, weil es bis 1967 von Jordanien besetzt und annektiert wurde.)

Gesetz über die Todesstrafe für Terroristen, 2026

Interne Nummer: 2199298
Aktenzeichen: 2025-001649
Anhang Nr. ca. 1159- /A

Ein Einwohner des Gebiets, der vorsätzlich den Tod einer Person verursacht und die Tat einen Terrorakt im Sinne des Gesetzes zur Terrorismusbekämpfung (5776–2016 […]) darstellt, wird mit dem Tode bestraft, und zwar ausschließlich mit dieser Strafe.
Wenn jedoch das Militärgericht aus besonderen, zu protokollierenden Gründen feststellt, dass besondere Umstände vorliegen, aufgrund derer es angemessen ist, gegen den Terroristen eine lebenslange Freiheitsstrafe zu verhängen, so ist es ihm gestattet, eine solche Strafe wie oben beschrieben [Lebenslange Haft] und ausschließlich diese Strafe zu verhängen.

In diesem Unterabsatz bezeichnet „Einwohner des Gebiets“ eine Person, die im Einwohnerregister des Gebiets eingetragen ist, oder eine Person, die in dem Gebiet wohnt, auch wenn sie nicht in dem genannten Register eingetragen ist, mit Ausnahme von israelischen Staatsbürgern oder Einwohnern Israels.

Keypoints:

• Diese Änderung betrifft ausschließlich die Militärgerichte!

• Die Änderung richtet sich nicht ausschließlich gegen Palästinenser, sondern gegen Menschen, die im Westjordanland leben. (Da es im Westjordanland wenige Ausländer gibt, wären aber sicher mehrheitlich Palästinenser betroffen.)

• Diese Änderung schließt israelische Staatsbürger oder Einwohnern Israels eindeutig aus.

Änderung des Strafgesetzes

Geändert werden soll auch der § 301a „Mord unter erschwerenden Umständen“ des allgemeinen Strafgesetzbuches.

Im Strafgesetzbuch, 5737–1977, wird in § 301a nach Absatz (b) Folgendes eingefügt:

„(c) Ungeachtet der Bestimmungen in Absatz (a) wird, wer vorsätzlich den Tod eines Menschen herbeiführt, mit der Absicht, die Existenz des Staates Israel zu vernichten, unter den in Absatz (a) genannten Umständen, mit der Todesstrafe oder lebenslanger Freiheitsstrafe bestraft, und zwar ausschließlich mit einer dieser Strafen.“

Keypoints:

• Diese Änderung betrifft auch Ausländer und israelische Staatsbürger, unabhängig von Ethnie, Religion o.ä.

• Diese Definition des Motivs ist hier enger gefasst. Hier wird nicht die allgemeine Definition für Terrorismus verwendet, sondern die „Absicht, die Existenz des Staates Israel zu vernichten“.

Fallbeispiele

Um das zu verdeutlichen, ein paar kurze Fallbeispiele.

• Ein Palästinenser mit Wohnhaft Westjordanland töten einen israelischen Siedler:
Er würde vor ein Militärgericht gestellt werden, die Todesstrafe wäre wahrscheinlich.

• Ein Palästinenser aus dem Gazastreifen tötet einen Menschen (muss kein Israeli sein):
Er würde vor ein ziviles Strafgericht gestellt werden, die Todesstrafe ist unwahrscheinlich.

• Ein Palästinenser aus dem Gazastreifen tötet einen Menschen (muss kein Israeli sein). Es wird festgestellt, dass er ein Bekennerschreiben hinterlassen hat oder/und Mitglied einer Terrorgruppe ist:
Er würde vor ein ziviles Strafgericht gestellt werden, die Todesstrafe ist wahrscheinlich.

• Ein deutscher Staatsbürger reist nach Israel und tötet dort einen Menschen (muss kein Israeli sein):
Er würde vor ein ziviles Strafgericht gestellt werden, die Todesstrafe ist unwahrscheinlich.

Die unterschiedliche Behandlung zwischen zivilem Strafgericht und Militärgericht ergibt es also nicht explizit aus diesem Gesetz. Sondern aus den Vorschriften, die eh schon existieren.

Klarstellung:

  • Die Änderung formuliert eindeutig als Tatvoraussetzung die vollendete Tötung.
    Die Behauptung, mit diesem Gesetz könne Israel jeden zum Tode verurteilen, der auch nur Steine wirft, ist falsch.

  • Die Änderung ist nicht rückwirkend gültig.
    Die Behauptung, das Gesetz ermögliche Israel, rückwirkend palästinensische Gefangene zu töten, ist falsch.

  • Die Änderung sieht nicht zwingend die Todesstrafe vor.
    Sowohl ein Militärgericht als auch ein ziviles Strafgericht können eine lebenslange Haftstrafe beschließen.
    Die Richter der Militärgerichte sind jedoch „gelenkt“, da sie eine lebenslange Freiheitsstrafe diese begründen. Dort wäre die Todesstrafe also eher die Regel.

  • Israel hat die Todesstrafe nicht „eingeführt“ oder „wieder eingeführt“.
    Sie wurde nur seit Eichmann nicht verhängt. Auch auf „Verrat in Kriegszeiten“ steht nach wie vor die Todesstrafe.

Die Berichterstattung und Propaganda

Zunächst ist das Gesetz - korrekter: die Änderung - nicht das, als das es durch die Medien und andere dargestellt wird.

Ja, die ultranationalistische und zumindest in Teilen rassistische Partei Otzma Yehudit hat das Gesetz eindeutig so geschrieben, dass es Palästinenser adressiert. Aber das ist eben nur eine Tendenz.
Die Medien steigen einfach darauf ein, was diese sehr kleine, populistische und radikale Partei selber nach außen trägt.

Es ist und bleibt aber falsch, dass das Gesetz ausschließlich Palästinenser betrifft. Ebenso wie viele andere propagandistische Falschbehauptungen, wie dass Israel nun auch Steine werfende Kinder hinrichten würde oder die vielen palästinensischen Gefangenen entsorgen würde.

Das Gesetz wurde auch keineswegs so eindeutig angenommen, wie es dargestellt wurde. Es bekam 62 von 120 Stimmen, eine knappe Mehrheit. Bei 48 Gegenstimmen. Was die restlichen Abgeordneten gemacht oder warum sich einige enthalten haben, darüber kann man natürlich wunderbar streiten.

Erneut wird dieses Gesetz übertragen und dazu genutzt, Israel insgesamt zu verdammen.
Natürlich, die Regierung hat das Gesetz beschlossen, dann muss Israel auch den Kopf dafür reinhalten. Aber auch viele Israelis sind mit dem Gesetz alles andere als einverstanden.
Was dabei völlig untergeht ist nicht nur, dass auch alle arabischen Staaten die Todesstrafe haben. Es wird auch völlig ignoriert, dass Gefangene immer wieder durch Geiselnahmen freigepresst wurden.
Der Initiator des genozidalen Massakers vom 7. Oktober Yahya Sinwar wurde beispielsweise freigepresst.

Der Mann hinter dem Krieg: Yahya Sinwar
Er ist der Mann, der hinter dem Terroranschlag auf Israel steckt. Er ist der Mann, der als Chef der Hamas den Krieg steuert. Und hinter Yahya Sinwar steckt eine…
Steady icon Steady

Was bei weltweiten Demonstrationen und einem Generalstreik im Westjordanland – der einem nicht sofort als sinnvoll ins Auge fallen mag – schlicht ignoriert wird ist, dass es in beiden Gesetzesänderungen unmissverständlich um die Tötung von Menschen aus terroristischen Motiven geht. Nichts weniger.
Mir persönlich erschließt sich nicht, bei aller Ablehnung der Todesstrafe, warum man ausgerechnet für diese Personengruppe Partei ergreift.

Wenn man etwas gegen die vermeintliche oder in der Praxis tatsächliche Ungleichbehandlung hat, dann muss man gegen die Praxis der Rechtsprechung allgemein, besser noch gegen die Besatzung protestieren. Nicht gegen dieses Gesetz alleine.

Aussicht

Sehr viele und viel Berufenere haben inzwischen erklärt, dass dieses Gesetz recht sicher vom obersten Gericht einkassiert wird. Es würde also nie umgesetzt werden.

Israel hat keine ausformulierte Verfassung. Das oberste Gericht, das tatsächlich einfach nur „oberstes Gericht“ heißt (ähnlich wie der Supreme Court in den USA) hat damit eine Funktion auf Verfassungsebene. Seine Urteile werden so zu sagen zur Verfassung.
Ich nehme als Laie an, dass die eingeschriebene Ungleichbehandlung in der Änderung der Militärverordnung das Problem sein wird. Aber auch das ist dann sehr kompliziert, weil die Richter auch „im Geiste“ dessen Urteilen können, was den Grundsätzen des Staates entsprechen würde.

Im Oktober sind Wahlen. Diese Gesetzesänderung ist in meinen Augen, und in den Augen vieler anderer, Wahlkampf der rechtsradikalen Parteien. Damit sie sich die Stimmen auch derer sichern können, die seit dem 10/7 Freunde und Angehörige verloren haben und nun angefüllt sind mit Zorn, Hass und Rache.

Wie ich auf Social Media schrieb: Es geht auf, was Yahya Sinwar gesät hat. Denn er wollte auch eine Radikalisierung der Israelis erreichen. Vor allem um den Annäherungsprozess zwischen Israel und Saudi-Arabien zu stören.
Und wie überall auf der Welt fallen die Radikalen darauf rein.

Hat das Gesetz bestand, können sie sich dafür feiern. Und sie werden jeden Gehängten feiern.
Wird es kassiert, kann das bei einer erneuten Regierungsbeteiligung dazu genutzt werden, die Entmachtung des obersten Gerichts zu argumentieren.

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Hunderttausende demonstrierten wöchentlich gegen die Justizreform, die das oberste Gericht entmachten sollte. Tel Aviv, 19.08.2023, keine drei Wochen vor dem Terroranschlag

Das hatte die Regierung schon vor dem 10/7 versucht. Was hierzulande kaum bemerkt wurde, weil die Hintergründe nicht verstanden wurden. In Israel sind über Monate hinweg wöchentlich Millionen Menschen auf die Straße gegangen. Das ist eine Größenordnung, als würden in Deutschland an jedem Wochenende neun Millionen Menschen demonstrieren.

Ohne den 10/7 hätte Netanjahu keine Chance auf eine Wiederwahl gehabt. Mit jedem Angriff auf Israel, mit jedem toten Soldaten und mit jedem Anschlag wird seine Wiederwahl wahrscheinlicher. Und damit auch die Regierungsbeteiligung der Rechtsradikalen.

Und darum geht es tatsächlich.
Nicht um ein paar verurteilte Palästinenser.

Der Gesetzesentwurf im Original (U.M.-Server)

hhh
ungemeve.de/wp-content/u…



Dienstag, 31. März 2026

Krokodilstränen und Doppelmoral, weil Israels Parlament die Todesstrafe für Terroristen erlaubt

von Mirjam Lübke

Die Mehrheit votiert für eine harte Linie inklusive Todesstrafe für Terroristen: Israels Knesset 



Die Knesset, Israels Parlament, hat gestern ein Gesetz beschlossen, welches es ermöglichen soll, Terroristen zum Tode zu verurteilen. Noch ist nicht gesagt, ob dieses Gesetz jemals in Kraft tritt, es könnte jederzeit vom obersten Gerichtshof gekippt werden – in Israel gibt es Gewaltenteilung, was Kritiker gerne vergessen –, aber die Aufregung darüber ist groß. Auch Bundesaußenminister Johann Wadephul hat selbstverständlich seine Besorgnis geäußert – einen Tag übrigens, nachdem er dem Ex-Jihadisten Ahmed al-Scharaa die volle Solidarität Deutschlands beim Wiederaufbau Syriens zugesagt hatte, der seinerseits garantiert kein Gegner der Todesstrafe ist. Europaweit werden wieder Sanktionen gegen Israel gefordert, ganz so, als ob kein EU-Staat jemals Beziehungen zu Staaten unterhalten hätte, welche die Todesstrafe im Programm haben – und das übrigens im Falle gewisser Regimes für weitaus geringere Vergehen als Terrorismus, so zum Beispiel “unmoralisches Verhalten in der Öffentlichkeit”. Die Freunde Gazas überschlagen sich vor Empörung und beklagen, das israelische Gesetz ziele ausschließlich auf Palästinenser ab. Man sollte ihnen eventuell erklären, wer üblicherweise in Israel Terroranschläge verübt. Kleiner Hinweis: Christliche Nonnen auf Pilgerfahrt sind es nicht. Ob ihnen darüber hinaus bewusst ist, wie man in Gaza mit Homosexuellen umgeht oder wie mild dort sogenannte “Ehrenmorde” bestraft werden? Aber wie üblich werden an die wilden Jungs aus Gaza ganz andere Maßstäbe angesetzt als an die Israelis. Das kennen wir zur Genüge.

Man mag von der Todesstrafe halten, was man will, und auch ihren abschreckenden Charakter in Zweifel ziehen: Bei der öffentlichen Hinrichtung von Taschendieben erschien in früheren Zeiten bekanntlich stets eine Vielzahl von “Berufskollegen” der Delinquenten inmitten der ums Schafott versammelten Menge, um dem aufgeregten Publikum die Geldbörsen zu entwenden. Auch moralische Einwände haben ihre Berechtigung: Richtet man einen Unschuldigen hin, dann gibt es naturgemäß keine Möglichkeit mehr, den Fehler wieder gutzumachen – und trotzdem läuft der echte Täter noch frei herum. In manchen US-Bundesstaaten reicht ein formal ordnungsgemäß durchgeführter Prozess aus, das Urteil zu vollstrecken, auch wenn danach noch entlastende Beweise auftauchen. Ob das gerecht ist, darf man getrost anzweifeln. Vom religiösen Standpunkt aus stand deshalb auch das Judentum der Todesstrafe stets skeptisch gegenüber und setzte hohe Hürden vor deren Durchführung: Der Hauptankläger musste die Strafe vollstrecken, um sich sorgfältig zu überlegen, ob er nicht doch einen Unschuldigen leichtfertig belastete. Daher kommt auch das von Jesus geäußerte “Wer von euch ohne Schuld ist, der werfe den ersten Stein!” Historisch gesehen erfolgte der Ruf nach der Todesstrafe im Judentum immer dann, wenn die Bedrohung für die Gemeinschaft besonders groß war.

Wie bei Radio Eriwan

Der 7. Oktober 2023, als Israel mitten in Verhandlungen mit der Hamas von deren Terrorgruppen überfallen wurde, ließ endgültig alle Hoffnungen schwinden, es könne jemals zu einer friedlichen Einigung mit den Palästinensern kommen. Jene sogenannte “Zwei-Staaten-Lösung” hat sich als frommer Wunschtraum erwiesen. Schon kurz nach der Räumung des Gaza-Streifens durch Israel 2005 hatte die Hamas begonnen, Tunnel unter der Grenze hindurch zugraben, um Israelis zu entführen. Für den Soldaten Gilad Schalit pressten sie rund tausend Terroristen frei, darunter Yahya Sinwar, der selbst von der Bevölkerung Gazas der “Schlächter von Khan Younis” genannt wurde, weil er angebliche Kollaborateure mit eigenen Händen erwürgte. Auch aus den von der Fatah verwalteten Zonen des Westjordanlandes schleichen sich immer wieder Attentäter in die israelischen Zonen, um dort Messerattentate oder Schlimmeres zu verüben. Es wurden sogar schon Kinder mit Sprengstoffgürteln zu den Grenzposten geschickt. Ob die Androhung der Todesstrafe dagegen etwas ausrichten wird, vermag ich nicht zu beurteilen – aber etwas hat bei den Israelis eindeutig “klick” gemacht: Es kann so nicht weitergehen. Das Makabre dabei: Ausgerechnet die Palästinenser, unter denen nach eigenem Bekunden der Wunsch, als “Märtyrer” zu sterben, so weit verbreitet ist, klagen nun gegen die “Ungerechtigkeit”.

Liest man derzeit die in den sozialen Medien gesammelten Berichte über die israelische Politik, so kommt man sich vor, als sende das aus alten Ostblock-Witzen bekannte Radio Eriwan. “Im Prinzip” stimmt alles – es hat sich letztlich so gut wie immer völlig zugetragen als behauptet. So ist auch im Falle des neuen Gesetzes, sollte es denn wider Erwarten vor dem obersten Gerichtshof Bestand haben. Ja, die Hauptbetroffenen werden Palästinenser sein, denn sie verüben nun einmal mehrheitlich die Attentate in Israel; aber nein: Es wird nicht, wie behauptet, eine unterschiedliche Behandlung von jüdischen, christlichen und arabischen Israelis geben. Was die deutschen Medien ebenfalls wieder verschwiegen haben, ist die Existenz der verschiedenen Zonen im Westjordanland, etwa der von der Fatah verwalteten Gebiete, auf die Israel rechtlich gar keinen Zugriff hat. Auch wenn es frustrierend ist, wenn sich Attentäter unter den Schutz von Mahmud Abbas begeben und dort für ihre Taten nach dem ”pay for slay”-Prinzip auch noch entlohnt werden.

Israel als Propagandaziel

Ähnlich funktionierte die Propaganda auch im Falle des nicht zur Grabeskirche vorgelassenen Patriarchen Pizzaballa: Ja, es stimmt, dieser wurde von den Behörden aufgehalten. Aber das wurden Juden, die an der Klagemauer beten wollten, ebenfalls. Denn Jerusalem steht unter iranischem Raketenbeschuss – ein Schritt, vor dem sogar Saddam Hussein zurückschreckte, als er Israel in den Golfkrieg hineinzog. Immerhin ist Jerusalem auch für Muslime ein wichtiger Ort – was die Mullahs nicht kümmert. Der Patriarch hätte im Übrigen nur formlos die Behörden um eine Sondererlaubnis bitten müssen, um diese von jeglicher Haftung zu entlasten. Als bekannter Freund der palästinensischen Sache jedoch ließ er es wahrscheinlich absichtlich auf den Eklat ankommen – und sogar sonst sehr gelassene Kommentatoren im Westen schäumten. Prompt setzen arabische Medien die Meldung in die Welt, Israel habe im Libanon eine christliche Kirche zerstört – die allerdings war schon vor Jahren einem Gefecht zum Opfer gefallen und zudem Kirche, sondern eine Moschee. Man kommt gar nicht mehr nach damit, den Wahrheitsgehalt hinter diesen Nachrichten zu überprüfen, und muss ohnehin immer wieder aufs Neue erkennen, dass dies vergebliche Liebesmüh ist. Manchmal ist einem israelischen Politiker tatsächlich der Kragen geplatzt und er hat etwas “Unpassendes” gesagt; das wiegt dann plötzlich schwerer als der palästinensische Terror. Ganz ähnlich wie eine “virtuelle Vergewaltigung”, die neuerdings schlimmer sein soll als eine tatsächlich stattgefundene…

Natürlich wollen alle diese Ankläger keine “Antisemiten” sein und lediglich der “Gerechtigkeit” dienen. Man fragt sich dann allerdings, warum sie ihren Gerechtigkeitswahn ausgerechnet an einem Land von der Größe Hessens auslassen müssen, da es doch auf der Welt so viele Unruheherde gibt, die auch einmal ein wenig Aufmerksamkeit gebrauchen könnten. Wie wäre es mit den Indios, die von ihrem Land vertrieben werden, um dort Balsaholz für unsere Windräder anzubauen? Oder mit Bürgerkriegsopfern im Jemen? Mit verfolgten Christen in Nigeria? Mit dem Terror der Milizen in Südsudan? Oder auch mit hungernden Menschen der Subsahara-Region, Kindersklaven im Minen im Kongo oder mit unterbezahlten Näherinnen in Bangladesch? Wahrscheinlich sind diese Opfergruppen deshalb so uninteressant, weil sie keine herzzerreißenden Propagandavideos erstellen können.


Montag, 30. März 2026

Detektivgeschichte: Die Bombe auf das Ahli Krankenhaus

 

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Am frühen Abend des 17.10.2023, in den ersten Tagen des Gazakrieges, detonierte etwas auf dem Parkplatz des Al-Ahli Krankenhauses in Gaza-Stadt. Die Hamas meldete einen Angriff durch die IDF. Und über die Nacht ansteigend bis zu 471 Todesopfer und mehr. Die Medien weltweit übernahmen die Meldung.
Eine Rückblende. Ein Rollenspiel, Dr. Watson.

Die Meldung erschien mir sofort absurd. Denn es ergab in der Phase des gerade erst beginnenden Krieges nach dem Terroranschlag und Massaker durch die Palästinenser am 7.10. überhaupt keinen militärischen Sinn.

Warum sollten die IDF (Israel Defense Forces) überhaupt ein Krankenhaus bombardieren?
Selbst, wenn man Israel alles Übel der Welt unterstellen will, aber die Kapazitäten von Bomben, Treibstoff und Flugstunden wären doch woanders sicher besser aufgehoben. Das Krankenhaus ist nicht einmal vier Kilometer von der israelischen Grenze entfernt. Die IDF hätte das ganze Krankenhaus mit Artillerie einebnen können, ohne ein Flugzeug zu starten oder einen Fuß in den Gazastreifen setzen zu müssen. Preiswerter wäre das allemal.
Vielleicht denken nur (ehemalige) Soldaten so. Aber darauf kommt es halt an.

Ich habe mir den Wecker gestellt und saß mit verquollenen Augen - Haare ins Gesicht gekämmt, Gesicht zur Faust geballt – um halb fünf wieder im Büro. Vor mir entfaltete sich das gesammelte Medienversagen der Welt.
Alle hatten in der Nacht die Meldungen der Hamas unkritisch übernommen.

Screenshots verscheidener Berichte aus internationalen Zeitungen.
Teilweise wurde auch nachträglich vorsichtiger berichtet. Die ersten Meldungen sind jedoch bis heute online.

London, New York, Amman und Tunis: Überall versammelten sich Menschen, um gegen den angeblichen Luftschlag gegen ein Krankenhaus zu protestieren. Auch, nachdem die IDF sich dazu geäußert hatte. Die Propaganda-Maschine war angelaufen.

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Demonstration in New York, 18.10.2023

Die Recherche gestaltete sich ab einem gewissen Punkt sehr leicht. Denn plötzlich tauchten „Tatortfotos“ bei den Stock-Anbietern auf, die die Palästinenser selber gemacht hatten. Genau bei den Quellen, die große Medien auch nutzten.
Fotos… genau mein Spielplatz.

Ich kam sehr schnell zu dem Schluss, dass es sich nicht um einen Angriff der IDF gehandelt hatte. Und dass die Zahlen von 500 Getöteten schlicht Phantasie waren.
Die Auswertung hatte ich auf meiner Homepage veröffentlich.
Und das ist an dieser Stelle wichtig: Bevor die IDF irgendetwas veröffentlicht haben.

Ich war mir so absolut sicher, dass ich bereit war, mich gegen die gesammelte Weltpresse zu stellen. Was nichts Heldenhaftes ist, niemanden schert ein kleiner MilBlogger. Ich möchte nur verdeutlichen, wie sicher ich mir war.

Die U.M.-Homepage ist nach wie vor nach einem Hacker-Angriff offline.
Weil ich in einem kommenden Artikel auf diese Story Bezug nehmen will und weil der angebliche Angriff bis heute von einigen als Nachweis für die Bösartigkeit Israels angeführt wird, habe ich mich dazu entscheiden, es nochmal aufzuarbeiten.

Aber nicht als knappe Auswertung, wie vor fast zweieinhalb Jahren. Sondern als Nacherzählung. Als Detektivarbeit. Das gibt auch einen kleinen Einblick in das befremdliche Hexenwerk, das ich hier vollbringe. Als das andere es gerne darstellen, nicht ich.

Sie, die geneigten und verehrten Leserinnen und Leser, sind Dr. Watson. Und ich bin Sherlock Holmes.
Folgen Sie mir, Watson, folgen Sie.

Das Ahli Krankenhaus

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Das Ahli Krankenhaus wurde schon 1882 während des Osmanischen Imperiums gegründet. Nach dem Anglo-Ägyptische Krieg durch die „Anglican Church's Church Missionary Society“, also durch Christen. Später wurde es übernommen von der US-amerikanischen Southern Baptist Convention.
Deshalb heißt es auch offiziell Al-Ahli Arab Baptist Hospital, es unterhält bis heute Verbindungen in die USA und bekommt sicher Gelder von dort. Wie fast jedes Krankenhaus im Gazastreifen.
Es wäre sicher ein ziemlich dämlich gewähltes Ziel. Oder ein ziemlich gutes, wenn man es sich schnell mit den in den USA mächtigen Evangelikalen verscherzen will. Und damit womöglich mit dem Lieferanten seiner Bomben. (Israel produziert fast alles selbst, aber die Bomben sind aus den USA.)

Das ganze Gelände besteht aus einer Ansammlung von kleineren, nach und nach gebauten Gebäuden. Viele sind mit Solar-Paneelen versehen. Man ist sich bewusst, dass der Strom aus Israel kommt.

Die Detonation erfolgte auf einem Parkplatz, den ich als Angestelltenparkplatz bezeichnet hatte.
Tatsächlich hat das Krankenhaus keinen größeren Parkplatz. Es mag auch sein, dass er öffentlich zugänglich ist. Aber viel Verkehr dürfte es da nicht gegeben haben, es gibt keine direkte Zufahrt.

Die Anzahl der Betten, also die stationäre Kapazität des Krankenhauses, wird in mehreren Quellen mit 50 angegeben. Das ist angesichts der Größe der Hauptgebäude glaubwürdig.

Es ist also ein Mini-Krankenhaus. Auf einigen Karten wird es sogar als „Ärztehaus“ bezeichnet. Also etwas, wo Patienten hauptsächlich ambulant versorgt werden. Ein Gebäude wird beispielsweise als Augenarzt bezeichnet.
Diese Aufteilung findet man bei vielen Krankenhäusern im Gazastreifen. Auch bei dem häufig berichteten Shifa Krankenhaus, das einen ganzen Häuserblock einnimmt. Und das übrigens weniger als drei Kilometer entfernt liegt.

Die Pressekonferenz

Gefasst hat mich das Ganze dann, als ich in der frühmorgendlichen Recherche das Foto der aufgebarten Leichen gesehen habe.
Nicht wegen der Leichen. Denn ich war ja zu Bett gegangen mit der Behauptung, dort seien 500 Menschen gestorben. Es war mit Leichen zu rechnen. Es ist mir auch völlig klar, dass die der Blickfang sind. Weshalb Viele dann sicher das Denken zugunsten der Gefühle eingestellt haben. Das Bild wurde allerdings wenig veröffentlicht.

Sondern weil sich bereits wenige Stunden nach der Detonation Ärzte inmitten von zusammengetragenen Leichen hingestellt und eine „Pressekonferenz“ gegeben haben.
So etwas nennt man gestellt, im Englischen besser „staged“. (stage = Bühne)

Welcher Arzt tut so etwas? Ich hatte mit Vielem gerechnet, aber nicht mit dieser Unverfrorenheit. Die ich als Europäer als zutiefst amoralisch und verabscheuungswürdig empfand. Inzwischen ist sie gewohnheitsbedingt nur noch ein Schulterzucken wert.
Und ausgerechnet, ausschließlich, die Köpfe der toten Kinder waren bewusst unverhüllt. Das Konzept der Würde scheint in Palästina eher ungebräuchlich zu sein.

Dieses Bild ist für mich Sinnbild der palästinensischen Opfer-Narrative und Propaganda geworden. Wenn dieses Kalkül, so etwas zu veranstalten, jemanden mit „westlichen“ Werten nicht anwidert, ist die Nadel seines moralischen Kompasses verbogen.

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Die nächtliche Pressekonferenz der Ärzte. Inmitten von drapierten Leichen um ein Rednerpult. Links im Bild ein Hamas-Offizier, der die Szene überwacht.

Nur 10 Tage nach dem 10/7 und zehn Tage bevor Israel Truppen in einer großen Bodenoffensive in den Gazastreifen schickte, trauten sich einige Hamasi noch in Uniform aufzutreten.
Alle Ärzte im Gazastreifen werden vom Gesundheitsministerium der Hamas bezahlt. Aber auf diesem Bild stand tatsächlich ein Hamas-Offizier ohne Maske unverhohlen herum. Und von den wenigen Medien, die dieses Bild verwendeten, hinterfragte es niemand.

Ich habe bis heute diesen Pavillon nirgendwo finden können. Und ich habe danach gesucht. Auf dem Gelände des Ahli Krankenhauses ist und war er jedenfalls nicht. Auch das Pflaster ist ein völlig anderes.
Die Palästinenser haben einfach vor einem anderen Krankenhaus irgendwelche Leichen zusammengekarrt, „Journalisten“ zusammengerufen und ihre Ärzte diese „Pressekonferenz“ veranstaltet haben.

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Die Vorbereitung der Pressekonferenz. Im Hintergrund sieht man, dass es sich um ein anderes Krankenhaus handelt. In der Mitte wird schon Platz für das Rednerpult gelassen. Ich hätte es gerne als Titelbild verwendet, doch das wäre sicher auf einigen Social Media Plattformen blockiert worden.

Aber, mein lieber Watson, da es hier um Deduktion geht, wollen wir moralischen und ethischen Aspekten für den Moment nicht über Maß Tribut zollen.
Lassen Sie uns den Tatort untersuchen. Haben Sie Ihre Lupe dabei?

Die Beweisbilder

In den frühen Morgenstunden des 18.10.2023 tauchten dann die Fotos eines Atia Darwish in den Datenbanken auf. Die von Apa Images angeboten wurden. Da ich keine weiteren Hinweise finden konnte, muss ich davon ausgehen, dass es sich dabei um die Austrian Press Agency in Österreich handelt.

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Darwish hielt sich am nächsten Morgen auf dem Parkplatz des Ahli Krankenhauses auf und machte dutzende Bilder. Die aus einem für mich nicht nachvollziehbaren Grund von den Medien ignoriert wurden. Vermutlich war er früher da und hat auf Tageslicht gewartet. Unten sieht man bereits einen weiteren „Journalisten“ mit Heilm in eine Kamera sprechen.
Er fotografierte sowohl vom Dach eines Gebäudes aus, als auch am Boden. Es bleibt der Fantasie überlassen, ob er das hätte tun können, wenn er ein wirklich freier Journalist war. Aber geschenkt.

Nimmt man die Karte und die Nordrichtung, kann man sehen, dass die Bilder am frühen Morgen gemacht worden sein müssen. Sie Sonne kommt aus Ost, die Schatten sind lang, die Sonne steht tief, das Universum blufft nicht.

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Die Windrose eingeblendet, das Foto wurde aus Ost aufgenommen.

Der Krater

Erst am Freitag hatte ich mal wieder eine virtuelle Debatte mit einem der üblichen Kandidaten auf X.
Eigentlich lag ich vorm Fernseher und habe hin und wieder auf dem Tablett geantwortet, während er sich abarbeitete. Ich hatte gebeten, er solle belegen, dass die IDF das Krankenhaus angegriffen haben.
Es ist teilweise entwürdigend mit anzusehen, wie einfach manche über ein Stöckchen springen. Tanzt, meine Puppen, tanzt.

Daraufhin kam der übliche Strom von Links. Die ausnahmslos über Sekundär- und Tertiärquellen irgendwelche Videobeweise widerlegten. Siehe ganz unten. Aber nichts belegten.
Überflüssig zu erwähnen, dass mir ansteigend Inkompetenz und Bezahlung durch Israel vorgeworfen wurden.

Ich habe mehrfach freundlich aufgefordert, er solle den Krater zeigen. Ich habe sogar das von mir käuflich erworbene und verifizierte Bild hochgeladen.
Erst nach langen Debatten, die - wie ebenfalls üblich - bis nach zwölf Uhr nachts dauerten, antwortete er mit einem verwackelten Video des Kraters. Ich habe tatsächlich kurz aufgelacht.

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Das ist wenig überraschend. Denn der Krater wurde nicht direkt fotografiert – zumindest kenne ich keine Aufnahmen.
Es gab nämlich keinen. Es gab eine Delle. Nennen wir es „Aufschlagstelle“.

Und das ist übrigens der einzige Punkt, an dem ich meine Auswertung vom 18.10.23 korrigieren muss.
Mir stand nur Bildmaterial zur Verfügung, auf dem die Menschengruppe auf der „Aufschlagstelle“ stand. Da ich aber am frühen Morgen noch nach einem echten Krater gesucht habe, bin ich tatsächlich nicht im Mindesten auf die Idee gekommen, dass Menschen „auf“ einem Krater stehen könnten.

Die zu dem Zeitpunkt am häufigsten verwendete Munition der Israelis waren 2000 Pfund Mark 84 Bomben. Oder Bauart-ähnliche. Was auch quasi der allgemeine Standard ist. Quasi das Billy Regal des Zerstörens aus der Luft.
Diese werden dann mit so genannten JDAM nachgerüstet, so dass aus doofen Bomben schlaue Bomben werden. Was aber an der Sprengkraft nicht ändert. Nur an der Genauigkeit und Reichweite. Ich hatte es mehrfach erklärt.

Luftschlag gegen das Strand-Café: Hintergründe, Erklärungen,…
Stellen wir uns einen Krimi vor, wie Agatha Christie ihn geschrieben hätte. Ein mutmaßliches Verbrechen, ein Ermittler, ein eingeschränkter Personenkreis, ein paar Tote,…
Steady icon Steady

Werden diese Bomben lasergelenkt, kommen sie auf eine Genauigkeit von bummelig 30cm.
Israel hat auch kleinere Bomben, bis etwa 1000 Pfund. Was nur das Gesamtgewicht beschreibt, nicht die Sprengkraft. Und doppelt so große, die 4000-Pfünder. Aber die 2000er waren und sind nun einmal der Max Mustermann unter den Bomben und sind es bis heute. Auch von den USA, wo sie gefertigt werden.

Ich habe ein Bild herausgesucht, auf dem man den Krater einer 2000er sieht. Damit Sie, mein lieber Watson, sich zumindest eine Relation vorstellen können.
In dem Krater steht übrigens einer drin. Nicht drauf.

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Der Anflug

Die Ausrichtung eines Kraters ist kompliziert. Also zu ermitteln, von wo eine Bombe, Rakete oder ein Marschflugkörper kam. (Im deutschen Militärsprech kurz FK = Flugkörper) Weil viele physikalische Faktoren eine Rolle spielen. In diesem Fall ist es aber sehr einfach.

Man sieht an der Einschlagstelle einen „Kometenschweif“ aus einer Richtung (im Bild nach links oben). Das ist die Richtung, in der die Wucht wegging.
Man kann es auch daran erkennen, dass dort das Gitter, das die Grünfläche begrenzt hatte, weg ist. Der Teil zur Linken ist aufgebogen. Der Teil zur Rechten ist nicht nur aufgebogen, sondern wurde um den noch stehenden Baum gebogen.

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Das kann aufgrund der Faktoren anders aussehen. Ich möchte auch nicht den Eindruck vermitteln, dass ich das irgendwie gelernt hätte. Sowas können Forensiker, die das wirklich lange und wissenschaftlich studiert haben. Von denen es wahrscheinlich nur sehr wenige auf der Welt gibt. Die Leute, die Flugzeugtrümmer nach einem Aufprall untersuchen, beispielsweise.

Aber da dieser „Krater“ nicht tief ist, und andere Bildzeichen weitere Hinweise geben, ist das hier wirklich simpel: Was auch immer da eingeschlagen ist, kam aus Nordost.
Das ist kein Hinweis auf die Richtung, von wo aus es abgefeuert wurde. Denn in der Luft kann ja sonst was passiert sein. Es ist nur ein Hinweis auf die Richtung, die das „Projektil“ unmittelbar vorm Einschlag hatte.

Und es ist eben wichtig, für die weiteren Bildzeichen.
Ich erkläre es Ihnen, mein lieber Watson.

Wuchtwirkung und Brandwirkung

Die Palmen sind genau von diesem Krater ausgehend verkohlt. Sie sind jedoch nicht umgeknickt.

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Das bedeutet, dass die Wucht nicht ausgereicht hat, eine biegsame und doch stabile Palme zu knicken.
Die Brandwirkung war heftig, hat die Bäume aber nicht entzündet, sondern nur verkohlt. Sie war also kurz, aber heiß.

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Die Wuchtwirkung hat ausgereicht, um ein Fahrzeug hochzuheben und zu drehen. Dieses Auto ist nur etwa sieben Meter vom Krater entfernt.
Ein weiteres Auto wurde in ein anderes Fahrzeug gedrückt.
Alle anderen Autos stehen nach wie vor, wie sie geparkt wurden. Sie sind ausgebrannt. Was bei einer kurzen, aber heftigen Entzündung nun einmal passiert. Denn ein Auto besteht aus vielen brennbaren Komponenten. Aber eine Wucht, wie bei einer Bombe, ist nicht zu erkennen.

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Bei den Gebäuden sind Ziegel abgedeckt. Die nur lose aufliegen.
Bei den großen Gebäuden im Hintergrund sind einige Scheiben eingedrückt und Rollos abgerissen. Sie sind ca. 15 Meter entfernt. (Das sind übrigens keine Schätzungen, ich habe es vermessen.) Es sind jedoch keine Schrapnelle an den Fassaden zu erkennen. Die Solar-Paneele auf den Dächern sind unbeschädigt.

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Das Krankenhaus auf einem Satllitenbild vom darauffolgenden Tag, dem 19.10.2023. Alle Solaranlagen sind intakt.

Der Krankenwagen, der in ca. 30m Entfernung steht, ist unbeschädigt. Der kann allerdings auch erst nach der Detonation durch den Haupteingang (im Bild oben, nicht sichtbar) dort abgestellt worden sein. Man sieht jedoch auf dem Gesamtbild auch den weinroten Wagen unten rechts im Bild, der bis auf eine kaputte Windschutzscheibe keine Schäden aufzuweisen scheint.

Was war es denn nun?

Mein lieber, verehrter Freund Watson. Sie sind ehemaliger Militärarzt. So sicher, wie Sie einen Knochenbruch erkennen, so sicher kann man hier nur zu einem Ergebnis kommen.

Das war keine Bombe. Es war auch keine Rakete und kein Marschflugkörper.
Das war ein Flugkörper, der in der Luft abgeschmiert ist und dann zufällig auf dem Parkplatz eines Krankenhauses einschlug. Entweder, weil er abgefangen und nicht vollständig zerstört wurde. Oder ein Krepierer einer selbstgebauten, so genannten Qassam Rakete der Palästinenser.

Eine Bombe hätte eine viel verheerende Wirkung gehabt. An den Gebäuden wären Einschläge von Schrapnellen zu sehen. Selbst bei einem 1000-Pfünder wäre die Wucht so groß, dass die Solar Paneelen beschädigt würden.
Die Bäume wären umgeknickt, die Fahrzeuge in einem viel weiteren Radius weggedrückt.

So absurd sich das für einen Laien anhören mag, Watson mein Freund, aber die Brandwirkung wäre viel geringer. Denn diese „Wirkmittel“, wie man beim Militär sagt, wollen ja durch die Wucht wirken, nicht durch Brand.

Das sieht eindeutig so aus, als wenn der Flugkörper bzw. dessen Treibstoff ohne Detonation in einem großen Feuerball kurz, aber heftig verpufft wäre. Und das wiederum legt nahe, dass er aus dem Gazastreifen gestartet wurde.
Wäre er in Israel runtergegangen, wäre der meiste Treibstoff verbraucht gewesen und hätte keine solche Brandwirkung mehr entfalten können.
Elementar, mein lieber Watson, elementar.

Sicher ist allerdings, dass es sich keinesfalls um einen absichtlichen Beschuss durch eine Seite gehandelt hat. Selbst wenn so ein Feuerball dramatisch aussieht, er ist keine Detonation.

Und bevor sie einwerfen, dass die IDF auch kleine Raketen einsetzen: Das ist vollkommen richtig. Sie verwenden beispielsweise die Spike aus Eigenproduktion, die sie gegen fahrende Ziele einsetzen. Diese werden manchmal mit einem Betonkopf versehen, da man nur das Fahrzeug ausschalten will. Aber die werden zumeist von Drohnen oder Helikoptern aus gestartet, was in der Phase des Krieges einen riskanten Überflug bedeutet hätte. Denn man musste ja noch mit einer zumindest halbwegs funktionierenden Flugabwehr rechnen.
Sie ist auch viel präziser und viel kleiner, hat also weniger Treibstoff und erzeugt keine solche Brandwirkung. Und auch hier greift die militärische Logik: Warum eine hübsche und teure Rakete auf den Parkplatz eines Krankenhauses vergeuden, wo es doch so viele interessantere Ziele gab?

Nein nein, mein lieber Watson, das war eine abgeschmierte Rakete und kein gezielter Angriff. Sagen Sie Inspector Lestrade, er muss sich nicht bemühen und kann zu Hause bleiben.

500 Tote und Viedo-Beweis

Ich habe mir abschließend den Spaß erlaubt, einmal die Grünflächen des Gebäudes zu messen.
Denn es wurde gemeldet, dort seien 500 Menschen getötet worden, weil sie Unterschlupf in dem Krankenhaus gesucht hatten. Wie man aber sehen kann, sind sicher die wenigsten davon in den Häusern gestorben. Denn es hat nur 50 Betten.

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Helfer sammeln etwas von eienr scheinbar blutigen Stelle auf.

Es wurde auch gemeldet, die meisten hätten auf dem Rasen campiert. Und tatsächlich lag dort auch etwas Gerümpel herum und es gibt mindestens ein Video, wie üblich schlecht zu erkennen und verwackelt, das Leichen auf dem Rasen zeigen soll.

Diese Grünfläche ist etwa 900m² groß. Es müsste also wirklich voll gewesen sein. Sehr voll. Kein-Platz-zum-liegen-voll.

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Am Vormittag des 18. Oktobers haben die IDF ein abgehörtes Telefonat veröffentlicht. Nachdem ich meine Auswertung veröffentlicht hatte.
Wie ich inzwischen von ihm selber weiß, war der damalige Sprecher der IDF Admiral Hagari seit dem Abend auf der Suche nach Informationen der anderen Einheiten gewesen, bis er endlich diese Information von der Itelligence erhielt.

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In dem Telefonat sagt ein Palästinenser zu einem anderen, die Rakete sei vom Islamischen Dschihad von einem Friedhof aus abgefeuert worden. Auf Nachfrage erklärt er, der Friedhof befände sich direkt rechts vom Krankenhaus. („Al-Ma’amadani“ ist eine andere Bezeichnung für das Krankenhaus.)

Und siehe da: Direkt am Krankenhaus befindet sich ein großer Friedhof.
Das ist auch konsistent mit der Auswertung. Eine Rakete, die hochgeht und abschmiert.

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Es gibt noch eine weite Debatte um einen vermeintlichen Videobeweis. Al Jazeera hatte ein Handy-Video veröffentlicht. Woraufhin der Kanal der IDF nachts um viertel vor drei auf X reagierte. (Die Einheit der Pressesprecher besteht aus etwa 450 Soldaten, überwiegend Soldatinnen.)

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Nun haben sich viele berufen gefühlt dies zu analysieren. Teilweise sehr aufwändig. Welche Raketen wohin gegangen sind, 3D-Rekonstruktionen aller gefeuerten Raketen, usw.
Doch selbst wenn dieses Video nicht diese eine Rakete zeigen sollte, sondern eine andere: Die IDF hatten das so aber auch nie behauptet. Das Video wurde von Al Jazeera veröffentlich, nicht von den IDF. Die Gegenbeweise laufen also ins Leere.

Laut Ockhams Rasiermesser ist die naheliegendste Erklärung allen anderen vorzuziehen. Und dies ist die naheliegendste Erklärung: Eine Rakete ist abgeschmiert, vermutlich sogar eine selbstgebaute der Palästinenser selber. Sie verpufft auf dem Parkplatz eines kleinen Krankenhauses in der Nähe. Einige Menschen sterben, einige Autos brennen ab, das Krankenhaus bleibt funktionsfähig.
Die Hamas meldet einen absichtlichen Angriff auf ein Krankenhaus, karrt Leichen zusammen, hält eine Pressekonferenz ab, bei der sie vor allem tote Kinder präsentiert, und alle Medien weltweit steigen darauf ein.
So entlarvend wie banal. So berechenbar.

Die Frage ist, ob sie auch eine Meldung des IS so blauäugig übernommen hätten. Doch anstatt eine Lehre daraus zu ziehen, verbreiten sie bis heute Nachrichten radikaler Terroristen, ohne sie zu prüfen und prüfen zu können.

Und nun, Watson, scrollen Sie doch noch einmal zum Titelbild. Nachdem Sie das nun alles wissen, fragen Sie sich doch einmal, wie dramatisch der Bildausschnitt gewählt wurde. Und was das wohl für einen Eindruck bei jemandem erweckt, der diese Informationen nicht hat.

Kommen Sie, Watson.
Wir wollen doch einmal sehen, ob unsere Mrs. Hudson uns nicht einen Tee macht.
Hier bleibt nichts mehr zu tun für uns.


Erschienen auf steady.page