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Heute Morgen wurde auf X die Frage aufgeworfen, was gegen ein oder zwei deutsche Flugzeugträger spricht. Und weil das Posting aus den unerfindlichen Gründen der X-Logik grade steil geht, wurde es auch in meine Timeline gespült. | |
Sie erschien mir aber ergebnisoffen und durchaus humorfähig, nicht AfD-mäßig um endlich wieder jemand sein zu können. Weshalb ich das gerne beantworte. Und den Ersteller gar nicht exposen will. (Außerdem folgt er meiner Seite, es kann kein schlechter Mensch sein.) | |
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Da wir alle wissen, dass ich als MilBlogger natürlich kriegsgeil sein muss, und überdies ehemaliger Marineflieger und Nachrichtenmann bin, bin ich in der Blase der deutschen MilBlogger und OSINT-Opossums natürlich prädestiniert und elitär versiert, diese Frage zu beantworten. | |
Es kann natürlich auch sein, dass mein Hirn nach fast einer Woche Covid und inzwischen psychotische Zustände annehmender Langeweile fieberbesoffen Spielmannslaune hat und ich mich damit einfach nur davon ablenke, dass mein Ausatmen sich anhört, als würde der dicke Nachbar schwitzend einen schweren Umzugskarton durch das Treppenhaus schieben, oder eine spanische Truhe mit Leiche drin oder sowas, und ich weiß wie lang dieser Satz ist weil ich ihn angefangen habe ohne zu wissen wie er enden soll und ich lass das jetzt so und außerdem kann man Schwitzen nicht hören. | |
Aus reinem Waffenstolz würde ich mich einmal im Jahr mit einem Klappstuhl vor den Flugzeugträger setzen, mit hochgekrempelten Ärmeln stolz mein Marineflieger-Tattoo präsentieren und mir mit Bier aus der Kühlbox manierlich die Peitsche durchs Gesicht ziehen. | |
Allerdings sei hier von vorn herein klargestellt, dass Deutschland einen Flugzeugträger besitzt. Scheiß langsam, aber der Größte der Welt: Sylt. | |
Starten wir also das Projekt „Wir bauen einen Flugzeugträger (oder zwei)“. | |
Schwimmen muss das Teil | |
Zunächst brauchen wir eine Werft, die das Ding baut. | |
Da würden sich die Naval Yards oder ThyssenKrupp in Kiel anbieten. Dann wäre unser Flugzeugträger aber in der Ostsee. Und das Ding ist platt wie ein Ententeich. Taktisch wäre er da auch so sinnvoll wie ein zweites Arschloch. Als hätten wir einen kugelsicheren Maibach mit Echtlederausstattung und Zigarrenhalter, der auf einem Flughafen Mallozze-Vollklatsche-Touris zu den Flugzeugen shuttelt. | |
Es bliebe also nur die Meyer Werft in Papenburg, dann müssten wir halt die Ems für ein halbes Jahr dicht machen. Die werden begeistert sein, von Kreuzschiffe auf Flugzeugträger umzusteigen. Wie damals Loriot: Von Panzerwagen auf Marzipankartoffeln. Und die Mitarbeiter erst, die alle durch den MAD überprüft werden. | |
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Die Meyer Werft bei Papenburg | |
Dann hätten wir das Problem des Antriebs. | |
Hey, wir sind Deutschland. Wir können beim nächsten Krieg nicht einfach mit einem 300 Meter langen Dacia vorfahren. Da muss schon Musik drin sein. | |
Ignorieren wir das. Wir müssen eh noch so viel ignorieren, da ist das Problem mit dem Atomantrieb auch nur ein Furz im Orkan. | |
Wir nehmen den JadeWeserPort. Am Containerterminal werden weniger Tonnen umgeschlagen, als im Hamburger Hafen. Also kann der weg. Wenn Deutschland einen neuen Tiefseehafen will, sollen sie sich doch einen buddeln. Die Narren. | |
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JadeWeserPort... Zukünftige Heimat der deutschen Flugzeugträger. | |
Das Ding wird zum Stützpunkt umgebaut, die Grünfläche plattiert, schon ist der Lachs geschuppt. Und wenn irgendwelche Umweltgruppen ankommen und rumjammern, weil im Umland irgendeine weltweit einzigartige, halbamphibische, deutschsprachige Krustentierpopulation vorkommt, werden diese Hodenkobolde neben die Klimaclowns geklebt. | |
Dann haben wir erstmal einen Rumpf und einen Parkplatz, aber nach unseren Erfahrungen mit Flughäfen und Elbphilharmonien geht das sicher ratzifatzi. | |
Schon einmal Zeit, ihm einen Namen zu geben. | |
Nennen wir unser Projekt also die FGS Breckerfeld. | |
Die Flieger | |
Dann brauchen wir noch Flugzeuge. | |
Das Problem ist, dass wir friedensbesoffen die ganze Sparte der Marineflieger-Kampfjets eingestampft haben. Es gibt sie nicht mehr. Und natürlich auch die spezielle und erweiterte Ausbildung der Piloten nicht mehr. Weil Deutschland der Meinung war, ohne Sowjetunion wird das nicht mehr gebraucht und das Geld sei anderweitig besser aufgehoben. Friedensdividende nennt man das wohl. Unser neuer Freund Putin und so, wir erinnern uns. …was aus dem wohl geworden ist? Wladimir „Judo-Waldi“ Wladimirowitsch, der alte Spaltenküsser. | |
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Marine Tornado, gute alte Zeit. | |
Nehmen wir für den Anfang nur die Grundausstattung. | |
Wir haben aber eh gerade F-35 bestellt. Das ist gut, die sind im Iran auch gerade im Einsatz. | |
Dann brauchen wir Flugzeuge, die noch mehr für den Luftkampf ausgelegt sind, also eigentlich Jäger. So reine Typen gibt es nicht mehr, aber halt so die Richtung. | |
Nehmen wir also mal zehn Typhoon dabei. Die sind primär dafür da, die FGS Breckerfeld vor feindlichen Flugzeugen, Marschflugkörpern und Drohnen zu schützen. | |
Dann brauchen wir Flugzeuge, die elektronische Kampfführung können. Die können unter anderem feindliche Radars bekämpfen, auch die Radars von Flugabwehrsystemen, die uns angreifen. | |
Als Amarena-Kirsche auf dem Sahnehäubchen wäre natürlich schick, wenn wir auch Fernaufklärung machen könnten. Damit wir früh genug wissen, was da so auf uns zukommt. Im wahrsten Sinne. | |
Damit werden die deutschen Marineflieger zu neuem Glanz auferstehen. Nehmt das, ihr Pazifistenpudel! | |
Soldaten wie Sand am Meer | |
Jetzt brauchen wir Besatzung und Bodenpersonal. | |
Wir launchen einfach einen Image-Film, wie damals Top Gun. Natürlich den alten. Niemand hat den neuen gesehen. | |
„Breckerfeld – Im Sturm von Gefahr und Liebe“. | |
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Der Film zum Flugzeugträger: Hauptrolle Matthias Schweighöfer, Moritz Bleibtreu als der, der in der Mitte des Films stirbt, Christoph Waltz als Admiral und Diddi Hallervorden als geistig zerrütteter Alt-68er, der nicht will, dass seine Tochter einen Soldaten datet. (Gespielt von irgendeiner Perle, die bereit ist mal sieben Sekunden ihre Nippel zu zeigen, um auch die zu bedienen, die das mit den Porno-Internetseiten noch nicht verstanden haben.) Soundtrack irgendwas mit Castrop-Rauxeler Gangster Rap. | |
Damit bekommen wir die Besatzung locker zusammen. Die Laufen uns die Bude ein. 3300 Mann Besatzung und 2500 Mann fliegerisches Personal. | |
Kurz überschlagen | |
Und da liegt sie dann, der stolz der deutschen Marine. Ein zum Schiff geschmiedeter, neuer deutscher Nationalstolz. Weil Deutsche ja sonst nix haben, um stolz sein zu können. Zumindest glauben das wohl einige. | |
Die Breckerfeld selber macht, bei planmäßigem Lauf des Baus, 12 Milliarden. | |
Dann müssten wir uns noch über die Kampfgruppe, die Carrier Strike Group, unterhalten. | |
Wir haben gar keine Zerstörer. Aber recht ansehnliche Fregatten. Das geht auch. | |
Habe ich erwähnt, dass der Einsatz einer solchen Carrier Strike Group ohne Waffen täglich über eine Million Euro kostet? | |
Wenn alles läuft, haben wir den Puff 2035 besenrein schlüsselfertig. | |
Mal wenigstens halb ernst | |
Kommen wir runter von dem Trip. So schön er auch ist. Sonst träume ich noch davon. …falls der dicke Nachbar endlich mal aufhört die Kartons durchs Treppenhaus zu schieben und ich schlafen kann. | |
Ich erkläre mal, warum das ein typischer, laienhafter Gedanke ist. Und warum er – aus militärischer Sicht zu Ende gedacht – völlig nutzlos ist. | |
Und Stammleserinnen und -leser werden einschätzen können, dass ich ja wirklich doch eher „rustikal“ unterwegs bin. Nicht rechts oder nationalistisch, nur militärisch klar und ziemlich empathielos. Moral stört nur beim Geschäft. | |
Wofür braucht man eigentlich Flugzeugträger? | |
Israel fliegt derzeit ständige Angriffe gegen den Iran. Die haben keinen Flugzeugträger. | |
Das bedeutet, Israel kämpft gerade gegen einen Feind, der über 1000km weit weg ist und – je nach Flugroute – zwei bis drei Länder entfernt ist. Die können das. Die sind gut. | |
Um das zu können, muss man die berühmten „Boots on the ground“ bekommen. Und man muss eine Luftüberlegenheit herstellen. Was Israel und die USA im Iran nur deshalb so schnell konnten, weil der Iran im Grunde eine überaltete Schrott-Luftwaffe hat. Aus Gründen. | |
Einen Flugzeugträger braucht man, um direkter aus der Luft auf einen Gegner einwirken zu können. | |
Russland hat einen einzigen Flugzeugträger. Und der verrottet seit Jahren in einer Werft. Ich musste den noch lernen, man kann mich auch nachts um drei besoffen wecken und ich kann „Admiral flota Sowjetskowo Sojusa Kusnezow“ sagen. | |
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Die Kuznetzow auf Reede, etwa 2019. | |
Politiker, Pazifisten und andere Randexistenzen unterscheiden gerne zwischen „Offensivwaffen“ und „Defensivwaffen“. Was Unfug ist. Mit fast allem, mit dem man abwehren kann, kann man auch angreifen. Zumindest auf taktischer Ebene. | |
Die USA haben sogar einen guten Grund dafür, so viele Flugzeugträger zu haben. Völlig egal, ob man Imperien oder Trump kacke findet. | |
Wenn man sich die Weltkarte anschaut, sind die USA ziemlich isoliert. | |
Dass Großbritannien zwei Flugzeugträger und nuklear bewaffnete U-Boote hat, ist auch ersichtlich. Denn UK gehört zu den „Five Eyes“ (FVEY), also Australien, Kanada, Neuseeland und USA. Auch das ist historisch gewachsen. | |
Und die sind natürlich alle mehr oder weniger mit Großbritannien verbündet. Und deshalb macht es für Großbritannien auch Sinn, sich zwei Flugzeugträger anzuschaffen. | |
Sinn und Zweck lassen bei Frankreich schon stark nach, aber wenigstens ist die Charles de Gaulle der einzige atomgetriebene Flugzeugträger außerhalb der USA weltweit. Aber jetzt wollen die noch einen zweiten, größeren bauen. Und ich persönlich habe das Gefühl, der Franzose sollte dringend einmal mit seinem Therapeuten über Kompensation sprechen. | |
Bei Italien habe ich gar keine Ahnung mehr, was und warum die sowas brauchen. Liebe für Sprache, Küche, Kultur und Geschichte, Kudos gehen raus. Aber… Ragazzi, ma che fai? Wofür? Die drei kürzesten Bücher der Welt sind „Englische Küche“, „2000 Jahre deutscher Humor“ und „Italienische Heldensagen“. Mal unter uns, habt ihr mal eure Militärgeschichte des letzten Jahrhunderts nachgeschlagen? | |
Es wurde auch in dem Thread der auslösenden Frage gesagt, dass Italien ja jetzt seinen Flugzeugträger schickt. | |
Soll ich jetzt noch auf den indischen Flugzeugträger eingehen? Oder die thailändische HTMS Chakri Naruebet, die nur noch Helikopter hat? Oder den japanischen, bei denen das als Inselstaat gegenüber China wieder halbwegs Sinn macht? | |
Wozu genau jetzt? | |
Also fragen wir uns doch einmal, für welchen Fall genau Deutschland einen Flugzeugträger brauchen sollte. Entschuldigung… die die FGS Breckerfeld. Oder gar einen zweiten, die FGS Ennepetal nicht zu vergessen. | |
In der Ostsee sind die Dinger strategisch völlig wertlos. (Das Bild mit dem zweiten Arschloch habe ich schon gebracht, oder?) Moskau und Sankt Petersburg können wir eh erreichen. Bei Riga kurz rechts abbiegen, am McDonalds und Douglas vorbei, hinterm Aldi links, die Taurus oder HARM absetzen und ab nach Hause, bevor Pavel „Blyat“ sagen kann. | |
Wir bräuchten Flugzeugträger, wenn wir beispielsweise Verbündete irgendwo weit weg unterstützen wollten. Weit weg. | |
Wen? | |
Ich kann mir kein einziges Szenario vorstellen, wofür wir Flugzeugträger bräuchten. Nicht einmal bei Kanada, weil wir da nämlich eh Basen haben bzw. gern gesehener Gast sind. Und mal ehrlich: wer will Kanada? Freundliche Menschen die genetisch unfähig sind zu lügen, Dudelsäcke haben und Wald. Viel Wald. | |
Flugzeugträger bräuchten wir, um auf dicke Hose zu machen und endlich mal wieder richtig schön deutsch und stolz sein zu können. Vor allem deutsch. Aber auch stolz. Mehr so untenrum. | |
Nochmal: Ich bin militärisch in meinen Ansichten wirklich ein harter, konservativer Hund. Aber eben nicht rechts oder nationalistisch. Alles schön mit Sinn, Verstand, Verbündeten, Freunden und zur Verteidigung. | |
Ach scheiß drauf. Ich bin krank. Ich bestell mir jetzt so einen Klappstuhl. | |
Wer es bis hierher geschafft hat, wird mir die Überschrift verzeihen. Honey Trap für die Dauerempörten und AfD-Wähler, die sich Zuspruch erhofft haben. Schafft Euch ein Rückgrat an. Ist billiger als die FGS Breckerfeld. | |
„Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.“ Sie verbieten nicht die Hassrede, sondern die Rede, die sie hassen. Den Sozialismus erkennt man daran, daß es die Kriminellen verschont und den politischen Gegner kriminalisiert...
Donnerstag, 12. März 2026
Warum Deutschland einen Flugzeugträger braucht
Donnerstag, 26. Februar 2026
Bitte wegtreten, Herr Minister...

Dienstag, 10. Februar 2026
Darf die Bundeswehr im Inneren eingesetzt werden?
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Am Sonntagabend bekam ich die Leserfrage, wann die Bundeswehr im Inneren eingesetzt werden darf. In der Tonlage „Aber die darf doch gar nicht eingesetzt werden!?!“ | |
Daraufhin habe ich aus dem Lamäng und schludrig ein Posting getippt und auf dem X-Account und der Facebook Fanpage veröffentlicht. | |
Der Grund dafür war so menschlich wie hoffentlich nachvollziehbar: Die Vorberichte zum Super Bowl flackerten bereits auf dem zweiten Monitor. Für mich der höchste Feiertag des Jahres. Das Spiel ging bis in die frühen Morgenstunden. Weshalb ich den Beitrag erstmal einfach gelöscht habe. | |
Aber das kann ich ja nicht auf mir sitzen lassen. Es gibt kaum schlimmeres als Klugscheißer auf der Welt… außer Klugscheißer die Recht haben. | |
Da es aber wohl noch Diskussionsbedarf gibt, möchte ich das nochmal – halbwegs ausgeschlafen – aufgreifen. | |
Falsche Narrative | |
Die Kernaussage nehme ich vorweg. | |
Es geht mir ausdrücklich nicht darum, „auf dicke Hose“ zu machen, nur weil ich auch mal Soldat war. | |
Meiner ganz persönlichen Auffassung nach haben sich jedoch Narrative festgesetzt, die nicht der Realität entsprechen. Und falsche Vorstellungen in der Öffentlichkeit verfestigt haben. Die jetzt erst zu Tage treten, nachdem Hinz und Kunz sich im Netz 2.0 öffentlich äußern können. (Beschissenste Idee der Menschheit bisher, aber da müssen die selber drauf kommen.) | |
Das wird vor allem von der Propaganda ausgenutzt. Und mehr noch, teilweise wird versucht, „neue“ Definitionen zu etablieren. Als Beispiel sei hier nur einmal der Begriff des Völkermords genannt und die Versuche, diesen Begriff umzudeuten, damit er auf Israel angewendet werden kann. Unter anderem durch Amnesty International. Ein anderes Beispiel ist die Debatte um die Covid-Impfungen, wo so viel geballter Unfug erzählt wurde, dass Darwin seine Theorie nochmal überdacht hätte. | |
Darum geht es mir persönlich. Um mehr nicht. | |
Die Bundeswehr darf nix in Deutschland! | |
In diesem Fall geht es um die Verkürzung, die Bundeswehr dürfe in Deutschland nicht eingesetzt werden. | |
Diese Aussage kommt durch einen Satz im Grundgesetzt. Im Artikel 87a heißt es im zweiten Satz: | |
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Nach den Nazis wollte man die Macht einzelner Institutionen demokratisch aufteilen und Kontrollen unterwerfen. Was, wie ich finde, hervorragend gelungen ist. | |
Dann kam die Generation der 68. Die tendenziell eher Staats- bzw. Autoritätsablehnend unterwegs war. Aus denen entwickelten sich die Lehrer dieser Nation, denn „unter den Talaren, der Muff von tausend Jahren“. | |
Die Realität | |
Das Problem daran ist, dass sie mit der Realität wenig zu tun hat. | |
Schon im nächsten Satz des Artikels 87a heißt es nämlich: | |
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Und diese Ausnahmen gehen noch weiter. Beispielsweise im Absatz 4 des Artikels geht es um den inneren Notstand. Im Artikel 35 geht es um Naturkatastrophen oder Unglücksfälle. Und darüber hinaus gibt es Amtshilfeersuchen von anderen Behörden an die Bundeswehr und das Gesetz über den Zivilschutz und die Katastrophenhilfe des Bundes (ZSKG). | |
Was unsere Verfassung getan hat, ist den Regelfall zum Sonderfall zu machen. | |
Und ein anderer Aspekt ist sicher interessant: Das Militär einzusetzen funktioniert in beide Richtungen. Ein Bundesland kann den Bund um Hilfe bitten. Umgekehrt kann der Bund aber auch den sog. Bundeszwang über ein Bundesland ausüben. Bei beidem kann auch das Militär eingesetzt werden. | |
Diese Sonderfälle sich so vielfältig, dass am Ende des Tages meine provokante Aussage „Die Bundeswehr darf alles“ genau so richtig oder falsch ist, wie zu sagen „Die Bundeswehr darf nix“. | |
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Feldjäger helfen bei der Sicherung eines Unfalls. Leipzig-Wiederitzsch, 27.10.2025 | |
Beispiele | |
Bundeszwang: | |
Innerer Notstand: | |
Naturkatastrophen | |
Ein Leser merkte an, er habe in der Fahrschule gelernt, die Feldjäger hätten ihm nichts zu sagen. | |
Jermann-Paragraf | |
Was - für mich sehr überraschend – in der breiten Öffentlichkeit vollkommen unterschätzt wird, ist der so genannte Jedermann-Paragraf. Der Paragraf 127 der Strafprozessordnung. | |
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Das macht nicht nur den signifikanten Unterschied zwischen einer Festnahme und einer Verhaftung aus. Sondern ist in der Praxis weitreichender, als viele es sich wohl vorstellen. | |
Nimmt man jemanden fest, darf man in Fällen auch „unmittelbaren Zwang“ ausüben. (Festhalten, zu-Boden bringen, fixieren, zur Not sogar fesseln) Es muss halt nur verhältnismäßig und erforderlich sein. | |
Alle Behörden, die auch beispielsweise Schusswaffen tragen (oder auch nur Hunde oder Schlagstöcke einsetzen) haben darüber hinaus gehende Vorschriften. Das sind nämlich nur „Hilfsmittel körperlicher Gewalt“. | |
Hier ist also wieder wichtig - wie auch bei der Verkürzung „Die Bundeswehr darf im Inneren nix“ - doch einmal genauer hinzusehen. Denn eigentlich darf ein Soldat nicht einmal jemanden festnehmen. Eigentlich. | |
Man ist zumindest gut beraten damit zu rechnen, dass er das vielleicht ungehemmter tut, als ein Polizist. Ich würde sagen: Je nach Lage, Auftrag und Verwendung. Fallschirmjäger werden wissen, was ich meine. Aber sicher auch einfach, weil Schütze Dosenkohl mit kurzer Hose Schießgewehr wenig andere Möglichkeiten und Deeskalationsstrategien hat. | |
Es wäre also nicht unbedingt eine Premiumidee, hasserfüllt auf einen Soldaten zuzulaufen, nur weil der gerade eine Straße blockiert. Weil man glaubt, der dürfe das nicht. | |
Das macht hoffentlich deutlich, warum das ganze so kompliziert ist. Und warum man dutzende Beispiele nennen müsste, um das auseinanderzuklamüsern. Warum Soldaten dafür zum Teil sogar lange ausgebildet werden. | |
Ich bitte daher von „Und was ist, wenn…“-Fragen abzusehen. Sonst sitze ich nämlich noch hier, wenn Putin beerdigt wird. | |
Nennt mich naiv, aber ich gehe erstmal davon aus, dass Soldaten das dürfen, was sie tun. Das ist meine Werkseinstellung. Wenn nicht, kann man in dieser wundervollen Demokratie später auch ein Gericht anrufen. Sogar mehrere. |








