Montag, 26. September 2022

Frauenklos vor dem Aus?

von Thomas Heck...

In der ganzen Gender-Debatte, wer eine Frau ist, wer nicht und wo soll Tessa Ganserer aufs Klo gehen soll, schafft der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) nun Fakten und schafft die letzten Rückzugsräume für Frauen einfach ab.



Kommt die Unisex-Toiletten-Pflicht?

Der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) könnte im jahrelangen Streit um eine zusätzliche Toilette für das „dritte Geschlecht“ nach BILD-Informationen jetzt Fakten schaffen und die Einheitstoilette durch die Hintertür einführen.

Der Grund: In der überarbeiteten Sanitärraum-Richtlinie 6000 schlägt der VDI einen Unisex-Vorraum vor, um diskriminierungsfrei mit Menschen des sogenannten „dritten Geschlechts“ umzugehen. Vom gemeinsamen Vorraum könne dann der Toilettenraum mit raumhohen (spannersicheren) Einzelkabinen abgehen, so die Empfehlung.

Doch was zunächst wie ein harmloser Vorschlag klingt, könnte ein großer Schritt hin zur Normalisierung eines Unisex-Klos werden.

Für Bauherren sind die VDI-Richtlinien rechtlich sicher, und es wäre dies die kostengünstigste Alternative zum Einbau eines dritten Toiletten-Typs für das „dritte Geschlecht“. Als vom VDI empfohlene Lösung wird die Richtlinie somit zur Attacke auf das lang erstrittene Recht von Mädchen und Frauen auf ihren eigenen Toilettenraum.

Im Richtlinienentwurf VDI 6000 Blatt 1 steht: „Mit der Einführung des dritten Personenstands durch den Gesetzgeber sind neue Konzepte für Sanitärbereiche erforderlich.“ Den Beweggrund für die Überarbeitung liefert also das Bundesverfassungsgerichtsurteil von 2017, welches das „D“ („divers“) klar an die Intersexualität koppelte. In der damaligen Diskussion kam die Frage auf, ob für die sehr wenigen Menschen mit einer Variante der Geschlechtsentwicklung, von denen sich zudem die wenigsten keinem Geschlecht zuordnen können oder wollen, überall ein drittes WC geschaffen werden müsse.

Diese Frage beantwortet der Richtlinienausschuss nun nach zwei Jahren Arbeit im Folgesatz: „Es empfiehlt sich die Berücksichtigung im Rahmen eines Universal-Design.“

Frauenrechtlerinnen sind alarmiert

Frauenrechtlerinnen sind alarmiert, sind Toiletten und Umkleideräume doch seit Langem Orte mit den meisten Übergriffen. „Es ist irritierend und besorgniserregend zu sehen, dass Frauen-Toiletten, also Schutzräume für Mädchen und Frauen, preisgegeben werden sollen im Namen liebgewonnener, aber falschverstandener Antidiskriminierung“, sagt die Menschenrechtsverteidigerin und Trägerin des Bundesverdienstkreuzes Inge Bell (55) von der Frauenrechtsorganisation „Terre de Femme“.

Auch eine Untersuchung der britischen Zeitung „The Times“ von 2018 kommt zu dem Ergebnis: Fast 90 Prozent der gemeldeten sexuellen Übergriffe, Belästigungen und voyeuristischen Akte in Umkleidekabinen von Schwimmbädern und Sporteinrichtungen geschehen in Unisexinstallationen, obgleich diese weniger als die Hälfte der Gesamtzahl ausmachen. In den zwei Jahren 2017 bis 2018 gab es im Vereinigten Königreich demnach 134 Berichte über sexuelle Übergriffe in Umkleidekabinen. Davon fanden 120 in geschlechtsneutralen Umkleidekabinen statt, verglichen mit nur 14 in geschlechtergetrennten Umkleidekabinen.

Auch die Mandatsträger der sogenannten UN-Sonderverfahren erklärten in einem gemeinsamen Statement zum Welttoilettentag am 19. November 2020: „Tatsächlich sind Frauen und Mädchen am stärksten gefährdet, Opfer geschlechtsspezifischer Gewalt, einschließlich Vergewaltigung, in und um Toiletten und Wasser- und Hygieneeinrichtungen zu werden“, und zwar „insbesondere in öffentlich und gemeinsam genutzten Räumen.“

Dabei scheint sich das Unisex-Klo keiner großen Beliebtheit zu erfreuen: So lehnte in einer im August vom britischen Meinungsforschungsinstitut YouGOV durchgeführten Umfrage eine Mehrheit von 88 Prozent von über 2000 Befragten eine Unisex-Toilette als einzige Option ab, in einer Umfrage mit 7000 Teilnehmern von der Gruppe „Sex Matters“ sind es sogar 98 Prozent, die nicht auf eine geschlechtergetrennte Toilette, Dusche oder Umkleide verzichten möchten.

Ist ein VDI-Richtlinien-Entwurf veröffentlicht, können in einem Einspruchsverfahren Kritik und Änderungsvorschläge eingereicht werden. Bei den jetzt veröffentlichten Entwürfen Blatt 1 bis 6 der VDI-Richtlinie 6000 besteht hierzu noch bis zum 31. Oktober die Gelegenheit. Blatt 7, indem es um den rein öffentlichen Bereich geht, ist als Entwurf verabschiedet, aber noch nicht veröffentlicht. Die Einspruchsfrist wird mit der Veröffentlichung beginnen, und wie bei den anderen Entwürfen werden Stellungnahmen möglich sein.



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