Donnerstag, 14. Mai 2026

Verzerrte Darstellung des Nahostkonflikts und Voreingenommenheit gegen Israel: Wikipedia sperrt Propaganda-Autoren

von Theo-Paul Löwengrub

Gerade bei politisch heiklen Themen als seriöse und fundierte Quelle leider nur mit äußerster Vorsicht zu genießen: Wikipedia

 

Wikipedia gehört zu den meistbesuchten Webseiten der Welt. Die Enzyklopädie, zuletzt zunehmend durch KI-Chatbots im Nutzerverhalten abgelöst und bedroht, krankt jedoch seit eh und je an dem strukturellen Problem, dass viele Artikel von Redakteuren mit einer linkspolitischen Agenda bearbeitet und in ihrem Sinne manipuliert werden. Den allermeisten Lesern ist dies aber nicht bewusst, sodass sie die Informationen auf Wikipedia für objektiv und wahrheitsgetreu halten und für bare Münze nehmen. Texte über Israel und den Nahostkonflikt gehören dabei regelmäßig zu den am stärksten verzerrten auf der Seite. Sie folgen oft der einseitig negativen Darstellung, die auch in den Mainstream-Medien vorherrscht und die den jüdischen Staat als permanent gegen das Völkerecht verstoßende, brutale Besatzungsmacht mit genozidalen Absichten gegenüber den angeblich um ihre Heimat gebrachten “Palästinensern” zeichnet. Dabei nahmen von Aktivisten gezielt vorgenommene Manipulationen, Geschichtsklitterungen und selektive Propaganda vor allem seit dem 7. Oktober 2023 in einem nicht länger hinnehmbaren Ausmaß zu.

Wikipedia selbst geht nun endlich gegen diese Dauerhetze vor. Ende April wurde ein Redakteur gesperrt, der allein unter dem Pseudonym „M.Bitton“, mehr als 64.000 (!) Bearbeitungen auf der Website vorgenommen hatte. Ein Mitglied des Schlichtungsausschusses hatte kritisiert, das Verhalten dieses Autoren mit Adminstatus untergrabe “das kollaborative Umfeld zutiefst, und ich bin mir nicht sicher, ob wir diesen Schaden jemals rückgängig machen können“. Das zwölfköpfige Kontrollgremium der deutschsprachigen Wikipedia hatte sich daraufhin einstimmig für die Sperre ausgesprochen, gegen die binnen eines Jahres Berufung eingelegt werden kann. Bereits im Januar war der Redakteur „Iskandar323“ auf unbestimmte Zeit gesperrt worden, nachdem festgestellt worden war, dass er mehrfach gegen ein wegen nachweislicher Desinformation und Einseitigkeit bereits verhängtes Verbot verstoßen hatte, Themen im Zusammenhang mit dem israelisch-palästinensischen Konflikt zu bearbeiten. Das Problem dabei ist, dass auf Wikipedia dem Selbstanspruch nach keine Meinungen, sondern geprüfte und ausgewogene Fakten dargeboten werden und für einseitige Sichtweisen hier nicht der richtige Platz sein sollte. Auch bei vielen anderen Themengruppen – vor allem wenn es um die AfD, ums Klima oder um Migration geht – strotzt Wikipedia von absurd voreingenommenen Beiträgen und geframten meinungsgefärbten Aufsätzen, doch nirgendwo wird so sehr manipuliert wie im Fall Israel und Palästina.

Kampf gegen Windmühlen

Shlomit Lir von der Universität Haifa wertet die beiden Sperren daher als „bedeutenden Schritt“, da die beiden Redakteure „erfahren und äußerst einflussreich“ seien. Nach aktuellen Einschätzungen betrifft die Angelegenheit jedoch ein viel breiteres Netzwerk von fast 100 Redakteuren, die nach ähnlichen Mustern gehandelt hätten oder weiterhin handeln würden, von denen aber nur eine kleine Anzahl tatsächlich gesperrt worden sei. Die Entscheidung des Ausschusses sollte „nicht nur als Ausdruck eines internen Bewusstseinswandels verstanden werden, sondern auch als Ergebnis wachsenden externen Drucks“ hinsichtlich der Art und Weise, wie Wikipedia mit Voreingenommenheit grundsätzlich umgeht, so Lir weiter. Die beiden gesperrten Konten “Iskandar323” und “M.Bitton” hätten einander gut gekannt, sich ausgetauscht und abgestimmt und seien in denselben sensiblen Bearbeitungsbereichen tätig gewesen. Außerdem hätten sie auch in bestimmten Diskussionen und Inhaltsbereichen zusammengearbeitet. Dies seien „nicht nur zwei Einzelfälle, sondern Teil eines umfassenderen Phänomens erfahrener Redakteure, die über einen sehr langen Zeitraum daran gearbeitet haben, Narrative in Bereichen zu prägen, die mit Israel, dem Judentum, dem Zionismus und dem israelisch-palästinensischen Konflikt zusammenhängen“.

Allerdings behebe die Sperrung von Redakteuren, so Lir laut “Mena-Watch“, nicht die inhaltliche Verfälschung, die sie hinterlassen hätten, da die meisten der „voreingenommenen Bearbeitungen, Auslassungen, Formulierungsänderungen, selektiv ausgewählten Referenzen und Framing-Maßnahmen“ bereits in die Artikel eingebettet seien – und genau das ist die eigentliche Komplikation: Der Schaden, den solche voreingenommenen Agitprop-Autoren generell auf der dem Anspruch nach freien Online-Enzyklopädie anrichten – und zwar trotz aller Qualitätssicherheits- und Kontrollmaßnahmen sowie ans wissenschaftliche Peer-review-Verfahren angelehter Sicherheitsstandards –, bleibt in aller Regel bestehen. Insbesondere beim Themenkomplex Israel und Naher Osten kann mit Sicherheit davon ausgehen werden, dass jeder, der sich über Wikipedia hierzu informiert, an zahllosen Stellen durch ideologische Verzerrungen, weltanschaulichen Bias oder gar in den Artikeln eingestreute Lügen in die Irre geführt wird – oftmals sehr subtil und unter Verweis auf ebenso voreingenommen Quellen. Die neue Wachsamkeit Wikipedias ist zwar ein Anzeichen dafür, dass man die Tragweite des Problems zwar erkannt hat; insgesamt sind die Maßnahmen aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein – denn sie sind ein Kampf gegen Windmühlen, da sich für jeden gesperrten Agitator zehn neue anmelden können.


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