Montag, 24. August 2026

Sommerinterviews mit AfD-Chefs Weidel und Chrupalla: ARD und ZDF lernen es einfach nicht

von Theo-Paul Löwengrub

Schlagabtausch über den Dächern Wiens: ZDF-Agitator Wulf Schmiese mit Alice Weidel



Gestern Abend liefen bei ARD und ZDF im Abstand von einer Stunde die Sommerinterviews mit den beiden AfD-Vorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla. Auch wenn diesmal keine “Scheiß AfD“-Chöre grölender Linksradikaler wie im Vorjahr erschallten, weil das wichtigere und stärker beachtete ZDF-Gespräch mit Alice Weidel in Wien stattfand, wo sich die Parteichefin zu Gesprächen mit der FPÖ aufhält, so war die Interviewführung unterirdisch. Moderator Wulf Schmiese fiel Weidel permanent ins Wort, ließ ihr keine Gelegenheit zu ausführlichen Antworten auf seine oberflächlich hingeworfenen Unterstellungen und versuchte Weidel oberlehrerhaft zu maßregeln. Als Weidel nicht mit klaren Worten über das Personal der Bundesregierung sparte („Ich muss Ihnen auch ganz ehrlich sagen, auch ich habe die Nase voll, ich will nicht mehr angelogen werden von irgendwelchen Flachzangen, die da oben sitzen und irgendwas versprechen, und genau das Gegenteil von dem tun. Hat das unser Land verdient? Unser Land wird kaputt gemacht. Die Arbeitsplätze werden kaputt gemacht“), empörte sich Schmiese über die “respektlose“ Wortwahl und griff damit der Entrüstung der sonstigen Mainstreammedien – etwa auch die “Welt“ – nach dem Interview vor, die sich natürlich an dem “Flachzangen“-Ausdruck festbissen und darüber jegliche inhaltliche Reflexion des von Weidel gesagte vergaßen. Bezeichnenderweise regte sich über vom Altparteienkartell über AfD-Politiker geäußerte Invektiven à la „Ratten„, „Schmeißfliegen„, „Blinddärme„, oder „Schädlinge“ noch nie jemand so auf.

Inhaltlich gelang es Weidel immerhin, trotz Schmieses infamer und maximal unfairer Gesprächsführung ein paar wichtige Punkte zu machen: „Momentan ist es so, dass mich auch die Situation, die politische Situation in Deutschland freut. Wir sind dort auf der Siegerstraße, wir werden in Sachsen-Anhalt die Regierung stellen und die CDU wird bundesweit niemals wieder eine Bundestagswahl gewinnen“, formulierte sie und prophezeite, die AfD werde nicht nur in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin regieren, sondern auch im Bund. „Wir werden den Menschen zeigen, was wir können. Und wir werden Recht und Gesetz umsetzen, weil das unser Deutschland ist, die Deutschen haben das verdient“, versicherte sie. Die “DNA der CDU“ sei die Lüge und die Brandmauer „das Undemokratischste, was es gibt“. Doch die Leidtragende sei die CDU selbst.

Von Klimawandel bis Remigration: Schnappatmung beim Moderator

Mit Blick auf mögliche Koalitionspartner erklärte Weidel sie sei ihrerseits bereit, „mit jedem zu arbeiten, solange er fähig ist und die Interessen in unserem Land im Auge hat. Aber ich lasse es nicht zu, dass die Menschen so dermaßen über den Tisch gezogen werden und angelogen werden wie von der CDU und von der SPD. Mir blutet das Herz, wie die Menschen betrogen werden“. Mit Schmieses ideologietriefenden Phrasen zum Klimaschutz konfrontiert, beharrte sie konsequent auf dem Ende des Verbrennerverbots und der EU Verbotspolitik; ideologiegetriebene Eingriffe in den freien Markt seien für die AfD ein Tabu. Den Klimawandel habe es schon immer gegeben, deshalb brauche es auch keine Maßnahmen dagegen. Die AfD wolle niemandem vorschreiben, ob er ein E-Auto oder einen Verbrenner fahren soll. Zum schnappatmenden Entsetzen des Moderators bekräftigte sie ferner die AfD-Forderung nach einem Ausstieg aus dem Euro: Vor dessen Einführung sei es Deutschland besser gegangen; bei einer instabilen, aufgeweichten Währung, zu der der Euro verkommen sei, sehe man bereits die breite Verarmung arbeitender Bevölkerungsschichten.

Deutliche Worte fand sie auch zum Leib- und Magenthema der AfD, der Migration: „Was wird in Deutschland seit 2015 gemacht? Illegale Migration, ungebremst, offene Grenzen, jeder kann rein. Unsere innere Sicherheit leidet, die Leute haben ganz ehrlich die Schnauze voll von diesen Zuständen“. Es gebe keine Rechtssicherheit mehr und eine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit. Die Frauen gingen nicht mehr sorglos aus dem Haus, überall gebe es Messerattacken und Gruppenvergewaltigungen. „Wir machen die Grenzen zu“, kündigte sie an. Denn dort fange das Problem an: „Und wenn ich mir sowas angucke wie in Ceuta, dann steigen wir aus Schengen aus“, so Weidel weiter. Deutschland müsse aufhören, „Menschen einzubürgern, die eigentlich unser Land verlassen müssen“. Sämtliche Syrer sollen nach Hause zurückkehren, sobald die rechtlichen und politischen Voraussetzungen dafür geschaffen seien. Die Aufnahme weiterer Afghanen lehnt sie ab.

Chrupalla unaufgeregter, aber souverän

Weidel sprach schärfer und deutlicher als ihr Co-Vorsitzender Tino Chrupalla, der in der ARD sein Sommerinterview absolvierte, doch sie dürfte dem Volk damit mehr aus der Seele gesprochen haben, indem sie die Missstände in Deutschland mit schonungsloser Schärfe beim Namen nannte. Chrupalla parierte die verglichen mit Schmieses Performance nicht minder demagogischen und albernen Fragen von Moderator Markus Preiß mit bewundernswerter Geduld. Diesem fiel jetzt, wo bereits seit Tagen frühherbstliche Temperaturen eingesetzt haben, nichts Dringenderes ein, als mit der Hitzehysterie und den angeblich mittlerweile „14.000 Hitzetoten“ zu beginnen (beim ZDF und Schmiese, der diesen Propagandamüll ebenfalls thematisierte, waren es noch 12.000 “Hitzetote“ gewesen; offenbar sind auch hier die Zahlen völlig willkürlich). Chrupalla konterte diesen Unsinn mit der korrekten und trockenen Feststellung, die Menschen würden sich vor allem fragen, ob sie sich Strom und Gas überhaupt noch leisten können. Er habe einen „normalen Sommer“ erlebt, so Chrupalla. Die Bundesregierung wolle „mit diesem Klimahype den Leuten das Geld aus der Tasche ziehen, um in eine CO2-Abgabe zu investieren“. Man müsse sich an das Klima anpassen, etwa mit Klimaanlagen in Altenheimen, Krankenhäusern und Schulen, forderte er.

Auch das übliche rührselige Video mit einem syrischen Arzt in Sachsen-Anhalt, der seine Abschiebung befürchtet, wenn die AfD die Landesregierung stellt, durfte nicht fehlen. Eine Lehrerin und die Geschäftsführerin einer Stiftung taten ebenfalls ihre Sorgen kund. Es wurde der Eindruck vermittelt, das ganze Land zittere vor der AfD, obwohl diese in Umfragen seit Monaten bei 42 Prozent liegt. Chrupalla stellte klar, dass ausländische Fachkräfte keine Abschiebung fürchten müssten. Begründete Besorgnis äußerte er bezüglich Wahlmanipulationen durch Briefwahlstimmen. Er kenne aus Gesprächen mit Pflegern und Angehörigen Fälle in Pflegeheimen, „wo der Stift sozusagen geführt wurde“. Dass es solche Fälle gebe, sei „unstrittig“. Für die AfD sei klar, „dass wir die Briefwahl, die als Ausnahmesituation geschaffen wurde, dass sie wieder abgeschafft gehört“. Er kritisierte auch die Aufbewahrung von Briefwahlunterlagen in Rathäusern, wo teilweise nur der Bürgermeister selbst den Schlüssel habe: „Dass die nicht beobachtet werden. Dass keine Kameras, wo die Briefwahlunterlagen aufbewahrt werden, angebracht werden. Dass die Überprüfung kaum stattfindet. Nicht transparent stattfindet“.

Nachgeschobene “Faktenfinder“

Mit Blick auf eine mögliche Regierungsübernahme der AfD in Sachsen-Anhalt sagte Chrupalla, Spitzenkandidat Ulrich Siegmund solle allein entscheiden, wie er regieren wolle. Der Bundesvorstand werde sich in diese Frage nicht einmischen. Das Ziel der AfD sei die absolute Mehrheit, man werde aber allen Parteien die Hand reichen. „Wir laden alle ein, die es mit Deutschland gut meinen“. Ansonsten wurde der Großteil der Sendung wieder damit verschwendet, Chrupalla mit Fragen zu Siegmunds angeblich rechtsextremem Umfeld zu löchern. Die ARD setzte nicht weniger als 15 „Faktenfinder“ auf das Interview mit ihm an. Diese verbreiten unter anderem wieder die Mär, es seien sich angeblich „97 bis 98 Prozent der Klimaexperten“ darüber einig, dass der Klimawandel menschengemacht sei.

Was in beiden Interviews der öffentlich-rechtlichen Staatssender wieder einmal deutlich wurde: Hier ging es nicht um Information, Darlegung von inhaltlichen Positionen zu neutralen Information der Bürger, damit diese sich eine eigenständige demokratische Wahlentscheidung bilden können – sondern um Diffamierung der Opposition und den Versuch, diese in einem möglichst schlechten Licht erscheinen zu lassen, indem man die AfD wieder mal in die rechtsextreme Ecke drängte, mit unwichtigen Fragen vom Wesentlichen abzulenken versuchte und ihren Vertretern – vor allem Alice Weidel im ZDF – möglichst oft ins Wort zu fallen. Diese Taktik hat sich zwar längst abgenutzt und zieht nur noch beim Personal von ARD und ZDF, wo für Schmiese und Preiß vermutlich Fleißkärtchen und Schulterklopfer vergeben wurden – aber nicht beim Volk, das sich von diesen Kampagnenmedien nur noch angewidert abwendet. Der AfD mag das recht sein – denn am Ende nützt ihr die uninspirierte Einseitigkeit und geifernde Voreingenommenheit. Die Gesprächsführung der gestrigen Sommerinterviews unterstreicht erneut die dringende Notwendigkeit der Abschaffung des Zwangsgebührenfernsehens.


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