Samstag, 22. Juli 2017

EU: "Die Pommes bekommen wir auch noch gerade..."

von Thomas Heck...

Anstatt sich um die wichtigen Probleme in Europa zu kümmern, führt die EU mehr und mehr Scheingefechte, zündet Nebelkerzen. Anstatt die Flüchtlingsproblematik mit geeigneten Maßnahmen zu begegnen, wird der Export von Schlauchbooten eingeschränkt. Wir hatten hierüber berichtet. Wenn man ein Europaparlament schafft, muss man den hochbezahlten Abgeordneten aber auch was zu tun geben. Nachdem der Krümmungsgrad der Gurke reguliert wurde, sind nun die Pommes dran.

Goldgelb dürfen die Pommes sein, nicht dunkler. Die EU hat gesundheitsfördernde Regeln für Lebensmittelhersteller erarbeitet, darunter Kochanweisungen. Die Gastronomie spricht von “irrwitzigen Forderungen“. Die EU wehrt sich. Krebserzeugendes Acrylamid in Lebensmitteln wie Pommes, Chips oder Knäckebrot soll mit neuen EU-Regeln von 2019 an so weit wie möglich reduziert werden. Experten der EU-Länder billigten am Mittwoch einen Entwurf der EU-Kommission mit Vorgaben für Lebensmittelhersteller, Restaurants und Backstuben. Verbrauchergruppen sehen dies als wichtigen Schritt zum Gesundheitsschutz. Die Gastronomie warnt indes vor „EU-Regelungswut“.

Acrylamid entsteht beim Rösten, Backen, Braten oder Frittieren vor allem bei besonders stärkehaltigen Lebensmitteln wie Kartoffeln und Mehl sowie Kaffee. In Tierversuchen wurde ein erhöhtes Krebsrisiko durch den Stoff nachgewiesen. Ziel der neuen EU-Regeln ist es, beim Garen möglichst wenig Acrylamid entstehen zu lassen.


„Heute haben wir einen wichtigen Schritt zum Schutz von Gesundheit und Wohlergehen der Bürgerinnen und Bürger getan“, sagte EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis. Die neue Verordnung werde dazu beitragen, den Acrylamid-Gehalt zu senken. Gleichzeitig werde sie Verbraucher darauf aufmerksam machen, auch beim Kochen zu Hause die Entstehung des Stoffs zu vermeiden. Warum nicht gleich Zigaretten und Alkohol verbieten?

Am Donnerstag-Nachmittag reagierte die EU-Kommission auf die Berichterstattung und wies darauf hin, dass sie „weder Pommes noch gerösteten Kaffee“ verbieten wolle. „Auch das besonders in Deutschland beliebte Pumpernickel und jedes andere Brot mit einem dunklen Teig dürfen selbstverständlich dunkel bleiben.“ Die Kommission habe nicht die Absicht, Pommes jeglicher Art zu verbieten oder die Art und Weise der Zubereitung zu verändern. Es sei jedoch nachgewiesen, dass Kartoffelprodukte, Getreideprodukte und Kaffee bei zu großer Hitze besonders hohe Werte von Acrylamid aufweisen.

Vorgabe von stärkearmen Kartoffelsorten

Die neuen Regeln richten sich in erster Linie an professionelle Lebensmittelhersteller und -verarbeiter. So wird zum Beispiel vorgegeben, Kartoffelsorten mit wenig Stärke zu verwenden und Pommes vor dem Frittieren einzuweichen oder zu blanchieren, um die Stärke auszuwaschen. Zudem sollen die Hitze beim Garen auf das Nötigste begrenzt und die Waren so wenig wie möglich gebräunt werden. Bräunungstabellen sollen einen Anhaltspunkt geben.

Doch werden die Hersteller vorgefertigter Waren auch zur Information des Endverbrauchers verpflichtet. Bei Ofen-Fritten soll zum Beispiel genau angegeben werden, bei welcher Temperatur sie fertig gebacken werden sollen und dass sie nur bis zu einer „goldgelben Farbe“ gegart und alle zehn Minuten gewendet werden sollen.

„Irrwitzige Forderung“

Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband nannte die Verordnung unverhältnismäßig, überflüssig und bürokratisch. Statt Betriebe mit Auflagen zu überziehen, sollte die Öffentlichkeit aufgeklärt werden, forderte der Verband. „Die irrwitzige Forderung nach einer ‚Pommes-Ampel‘ ist sicher nicht geeignet, der um sich greifenden EU-Skepsis entgegenzuwirken.“

Der europäische Verbraucherverband BEUC wertete die EU-Maßnahmen als wichtigen ersten Schritt. Doch dringt er auf verbindliche Grenzwerte für Acrylamid in bestimmten Lebensmitteln. EU-Kommissar Andriukaitis sagte zu, diesen Vorschlag zu verfolgen.

Nach der Entscheidung vom Mittwoch folgt nun eine dreimonatige Einspruchsfrist, bevor die EU-Kommission die Vorlage endgültig annimmt. Das Inkrafttreten ist für Frühjahr 2019 geplant.

1 Kommentar:

  1. >Es sei jedoch nachgewiesen, dass Kartoffelprodukte, Getreideprodukte und Kaffee bei zu großer Hitze besonders hohe Werte von Acrylamid aufweisen.< und >„Auch das besonders in Deutschland beliebte Pumpernickel und jedes andere Brot mit einem dunklen Teig dürfen selbstverständlich dunkel bleiben.“<
    Irgendwie bin ich überzeugt Herr Andriukaitis hat noch nie Pumpernickel gegessen und hat auch keine Ahnung von dessen Herstellung! 1. werden bei Pumpernickel die Körner entweder über Nacht in lauwarmen Wasser, oder für einige Stunden in heißem Wasser aufgequollen. Sonst ist Roggen wohl nicht backbar! 2. wird Pumpernickel nur bei 200 Grad C angebacken ("normales" Brot 230-280 Grad C) und über 16-24 Stunden bei rd. 100 Grad C ("normales" Brot 230-180 Grad C) mehr gedämpft als gebacken. Da dürfte die Acrylamidbildung sowieso schon ziemlich gering sein! Und die dunkle Farbe (das komplette Brot ist so dunkel, nicht nur die Kruste!) entsteht durch Karamellisierung und/oder Maillard-Reaktion, also nicht durch "Verbrennen"/Rösten!
    Wenn Herr Andriukaitis beispielhaft das Pumpernickel fälschlicherweise nennt, welches eigentlich die geforderten Maßnahmen schon per se umsetzt (und seit Jahrhunderten so gebacken wird) dann frage ich mich wieviel Ahnung er (und die Kommission) tatsächlich haben?
    Vor allem: Brot wird seit Jahrtausenden in allen Kulturen gebacken und wurde als Grundnahrungsmittel früher in viel größeren Mengen gegessen! Starben diese Menschen alle an - durch Acrylamid verursachtem - Krebs? Und (die gleiche Argumentatioin gilt für (früher tatsächlich viel mehr verzehrt [Mittelalter in D.: rd. 100kg/a/Nase, heute rd. 60 kg/a/Nase]) Fleisch) wenn die Menschen nicht so alt wurden (um Krebs zu entwickeln), dann hat es wohl mehr mit längerem Leben, als mit Acrylamid zu tun!
    Wie ich diese "Ernährungspolizisten" hasse!

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