Mittwoch, 28. Juni 2017

Saufen und feiern darf nur der G20-Gegner

von Thomas Heck...

Die Berliner Polizei wird von einem gewaltigen "Skandal" erschüttert. Die 220 Berliner Polizisten, die zum bevorstehenden G20-Gipfel in Hamburg waren, mussten deswegen die Heimreise antreten. Die Beamten waren in einer Unterkunft auf einem ehemaligen Kasernengelände in Bad Segeberg, nordöstlich von Hamburg, untergebracht. Eine kleine Gruppe habe ein „unangemessenes und inakzeptables Verhalten“ gezeigt, teilte ein Sprecher der Hamburger Polizei mit.

Sicherheitspersonal hätte das Fehlverhalten der Beamten in ihrer Unterkunft im Levo-Park in Bad Segeberg beobachtet. In der ehemaligen Kaserne waren zwischenzeitlich auch Flüchtlinge einquartiert worden. Die Einsatzführung war demnach an einem anderen Ort untergebracht. Die Exzesse seien aufgeflogen, nachdem sich Anwohner über Ruhestörungen beschwert hatten.




Demnach hätten die jungen Polizisten in ihren Unterkünften exzessiv gefeiert und sich danebenbenommen. Wie Polizeisprecher Thomas Neuendorf der Berliner Morgenpost bestätigte, geht es um den Vorwurf von Sex in der Öffentlichkeit, Sachbeschädigung und um Alkoholexzesse. Die Polizisten seien auf den Dächern der Unterkunft herumgerannt. Es habe zudem Auseinandersetzungen mit Polizei-Einheiten aus anderen Städten gegeben, die sich über den Lärm beschwert hatten und mit der Höflichkeit Berliner Beamter nichts anfangen konnten.

Eine Polizistin soll im Bademantel mit einer Dienstwaffe hantiert haben. Männer sollen - in einer Reihe stehend - in der Öffentlichkeit uriniert haben. Wie viele Polizisten an den Exzessen beteiligt waren, stand noch nicht fest. Der Sprecher der Berliner Polizei, Thomas Neuendorf, sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Es ist einfach nur peinlich, wie sich die Kollegen dort verhalten haben.“ In einem Video-Interview mit der Zeitung "Die Welt" sagte Neuendorf freimütig: "Man kann nicht in der Öffentlichkeit bumsen!" Im Einsatz könne man sich nicht verhalten wie Schüler auf einer Klassenfahrt, so Neuendorf weiter. Es sei zwar nicht zu Straftaten gekommen, die Beamten hätten aber "ungebührliches, unhöfliches Verhalten gezeigt". Denkbar sei in Einzelfällen auch eine Geldstrafe.


Geklärt werden müsse nun, ob die die beteiligten Polizisten in ihrer Bereitschaftszeit oder in ihrer Freizeit gefeiert haben. "Ihnen war langweilig, es gab keine Fernseher", bemühte sich Neuendorf um einen Erklärungsversuch. Dennoch ein wichtiger Punkt. Denn der Dienstherr versucht immer Gelder einzusparen, in dem er Beamte im Einsatz außerhalb des Standortes Überstundengelder verweigert, indem einfach Dienstschluß festgelegt wird, keine Überstunden mehr angerechnet werden, die Beamten aber fern der Heimat sind. Der eigentliche Skandal ist, dass Polizeibeamte im täglichen Dienst angepöbelt, bespuckt, angegriffen und mit Steinen beworfen werden dürfen, bei kleinsten Vorfällen in die Öffentlichkeit gezerrt und an den Pranger gestellt werden. Mit den Linksfaschisten der Rigaer Strasse geht die Öffentlichkeit jedenfalls entspannter um.

Aus der Sicht der Beamten sehen die Vorwürfe allerdings ganz anders aus.


Die Vorwürfe gegen drei Berliner Hundertschaften wiegen schwer. Wie konnte es zu den Ausschweifungen der Berliner Beamten kommen? Ein beteiligter Polizist berichtet. 
Der Einsatz von drei Berliner Hundertschaften, die im Vorfeld des G20-Gipfels nach Hamburg entsandt wurden, endete viel früher als geplant. Die 220 Beamten waren eigentlich eingeteilt, die geplanten Demos abzusichern. Doch bevor der Einsatz so richtig losgehen sollte, wollten einige von ihnen noch richtig feiern.
Die Rede ist von wilden Trinkgelagen, Gruppenpinkeln, Strip mit Waffe und Sex am Zaun. Für den Hamburger Polizeiführer zu viel. Er schickte die Berliner sofort wieder zurück nach Hause. Doch wie konnte es zu dem Eklat in dem Containerdorf in Bad Segeberg kommen?

Der Fernsehraum war verschlossen

Ein Bereitschaftspolizist berichtet (lesen Sie auf BILD+ das komplette Interview). „Eigentlich sollten wir erst zur Nachtschicht von Montag auf Dienstag im Hamburg eingesetzt werden. Wir hatten also viel Freizeit, wir saßen da und warteten, dass die Zeit verging.“ Zeit für etwas Fernsehen, dachten die Beamten. Doch der Fernsehraum war verschlossen. Der oberste Chef reiste erst sehr viel später an.


Auf dem Boden liegen Stühle, auf einem Tisch im Hintergrund stehen unter anderem Bierflaschen (Foto: privat)
Auf dem Boden liegen Stühle, auf einem Tisch im Hintergrund stehen unter anderem Bierflaschen (Foto: privat)

Was dann folgte, war eine wilde Party, die sich in der Form wohl sehr spontan ergab. „Der ein oder andere von uns hat es wohl übertrieben.“ Allerdings sagt er auch: „Viele der Vorwürfe sind nur Gerüchte.“

Party wurde auf Video aufgenommen

Allerdings bestätigt er, dass die Toiletten wohl eher gemieden worden seien. Auch der Pärchen-Sex scheint der Wahrheit zu entsprechen. „Die haben sich wohl am Zaun vergnügt.“
Die Ausschweifungen können zudem gut dokumentiert werden. Der Polizist weiter: „Es soll Bild und Videomaterial geben; gesehen oder vorgelegt bekommen haben wir das bislang nicht.“ Eine Beamtin, die im Bademantel mit Waffe gefuchtelt haben soll, habe der Bereitschaftspolizist nicht mitbekommen. Man habe zudem keine Gegenstände angezündet.

Sicherheitsleute gezielt auf Berliner angesetzt?

Schlägereien mit einem Wuppertaler Polizisten seien lediglich Gerüchte, so der Polizist weiter: Eine „Prügelei mit anderen Beamten aus anderen Bundesländern hat es definitiv nicht gegeben.“
Die einzige Öffentlichkeit, die dort tangiert worden sein könnte, war das Sicherheitspersonal.“ Er und seine Kollegen vermuten, dass es auf sie angesetzt war und alles dokumentieren sollte, was ein Fehlverhalten darstelle. „Aber genau wissen wir das nicht, reine Vermutung.“


Berliner Polizisten feiern in dem Containerdorf in Hamburg (Foto: privat)
Berliner Polizisten feiern in dem Containerdorf in Hamburg (Foto: privat)

Die Zahl der Feiernden werde allerdings kräftig überschätzt, so der Polizist gegenüber BILD: „Sie können es mir glauben, dass die meisten schon zu Bett waren. Man sieht auf dem Party-Foto 20-30 Leute – von 250 Beamten insgesamt.“
Wir haben niemanden beleidigt oder bedrängt
Eine Erklärung für die Polizei-Party hat der Polizist aber schon parat: „Wenn man aber, und bitte fassen Sie das nicht als Entschuldigung oder gar Rechtfertigung auf, geschlossene Einheiten kaserniert, dann kann es passieren, dass einige der Männer und Frauen auf dumme Gedanken kommen.“

Kräftiger Imageschaden

Ein Problem stelle die Feier laut Einschätzung des Polizisten nicht dar – der geplante Einsatz hätte stattfinden können. „Es wurde nichts beschädigt. Niemand wurde verletzt. Wir haben niemanden beleidigt oder bedrängt. Wir alle waren am nächsten Tag einsatzfähig, es gab keine Ausfälle.

Trotzdem ging es wieder zurück nach Berlin. Und ganz Deutschland tuschelt über die Berliner Party-Polizisten…

Polizei Berlin
19 Min
+++ Berliner "Partypolizei"? +++
Ja, wir haben gefeiert! Gestern wurden drei unserer in #Hamburg zum G20-Einsatz unterstützenden Hunderschaften vorzeitig wegen einer aus dem Ruder gelaufenen Feier nach Hause geschickt. Wie unangemessen die Feier war, lassen wir uns von unseren Kolleginnen und Kollegen derzeit detailliert schildern und entscheiden dann über mögliche Konsequenzen.
Von #Sexorgien und #Partypolizei ist nun öffentlich die Rede.
Dabei ist sehr viel Spekulation.
Fakt ist, drei unserer Hundertschaften waren in einem Containerdorf in Bad Segeberg, ca. 70 km nördlich von Hamburg untergebracht.
Sie sollten in den kommenden Tagen die Hansestadt zum G20 Gipfel sichern. Außerhalb des Einsatzes haben sie dann am Abend spontan zwischen den Containern gefeiert. Sicher auch weil zwei ihrer Kollegen Geburtstag hatten. Die Feier hat auf dem abgeschlossenen Gelände stattgefunden. Dabei wurde getrunken, getanzt, gepinkelt und ja scheinbar auch "gebumst", wie es unser Pressesprecher so schön formuliert hat.
Darüber wird derzeit viel diskutiert. Wir wollen eine Sache gerne hier loswerden:
In unserer Einsatzkleidung stecken Menschen.
Bei unserer Bereitschaftspolizei arbeiten hauptsächlich junge Menschen, die im Einsatz große Verantwortung tragen. Diese jungen Kolleginnen und Kollegen arbeiten sehr professionell. Seit Jahren werden sie von anderen Bundesländern für die verschiedensten Einsätze angefordert. Der hohe Einsatzwert wird dabei durchweg gelobt. Auch hier in Berlin halten sie, egal ob Tag ob Nacht ihren Kopf hin und sorgen 24h rund um die Uhr für Sicherheit. Und das ist bei dem hohen Einsatzaufkommen nicht immer einfach.
Wir laden Sie/Euch herzlich ein, sich ein persönliches Bild von dieser professionellen Arbeit zu machen und sich davon zu überzeugen, dass wir nicht die Partypolizei, sondern die professionelle Hauptstadtpolizei sind. Wir und viele andere Menschen sind davon absolut überzeugt.
Übrigens, die gleichen Kolleginnen und Kollegen wurden noch auf der Autobahn zum gestrigen Stromausfall in #Köpenick alarmiert und haben dort den Verkehr geregelt, Wohnungen und Geschäfte geschützt und waren für Ihre Sicherheit im Einsatz.
Dafür von uns 👍 für diesen #Goodjob.
Ihr/Euer
Social Media Team der Polizei Berlin
P. S.: Sorry an unsere Kolleginnen und Kollegen aus NRW.


1 Kommentar:

  1. Nur ein Satz....'in eurer Dienstkleidung stecken TOLLE Menschen...die auch mal feiern....so what!!! Ich mag Euch nur kurzfristig nicht wenn ich mal eine Strafzettel bekomme :-) ... der aber natuerlich immer berechtigt ist... Danke fuer alles was ihr fuer uns tut (ausser meinen Strafzetteln... und ich hoffe dass nicht ein Krawattentraeger auf die Idee kommt, da muss was bestraft werden... DANKE und have fun!

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