Donnerstag, 9. März 2017

Bundeswehr: Bedingt übernachtungsbereit

von Thomas Heck...

Ausgerechnet Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU), die die Bundeswehr für Menschen jeglicher sexueller Orientierung geöffnet hat, sieht sich mit einer Beschwerde eines auf homosexuelle Kunden ausgerichteten Berliner Hotels konfrontiert. Das "Two Hotel" in Wilmersdorf beklagt Diskriminierung, weil eine Besatzung der Flugbereitschaft der Bundeswehr elf gebuchte Zimmer allein wegen des besonderen Hotelkonzepts am Tag der Anreise stornierte. Das Bundesverteidigungsministerium weist den Vorwurf zurück.



Doch der Reihe nach: Das "Two Hotel" beschwerte sich am 7. Februar per E-Mail bei der Verteidigungsministerin. In dem dieser Redaktion vorliegenden Schreiben des Rezeptionsteams an den Bundestagsaccount von der Leyens heißt es, "die Damen und Herren haben heute ihre elf Zimmer in unserem Hotel aufgrund unserer homosexuellen Ausrichtung storniert. Stornierungsgebühr: über 6000 Euro. Und das, obwohl wir ein sehr schönes Hotel mit tollen Zimmern und Ausstattung sind". Weiter schreibt das Hotel: "Wir fühlen uns sehr diskriminiert."

Ausgelastete Hotels

Nach Informationen unserer Redaktion hatte die am Flughafen Köln/Bonn beheimatete Flugbereitschaft die Zimmer für zwei Nächte im "Two Hotel" für eine ihrer Flugzeugcrews nur gebucht, weil andere Hotels keine entsprechend großen Zimmerkontingente anboten. An jenen Tagen waren die Hotels der Hauptstadt wegen der Messe "Fruit Logistica" und wegen des anstehenden Filmfestivals "Berlinale" besonders ausgelastet.

Dass es sich beim "Two Hotel" um eine Unterkunft vornehmlich für homosexuelle Gäste handelt, wusste der für die Buchung zuständige Sachbearbeiter demnach nicht und konnte es auch nicht der Internetbuchungsplattform entnehmen. Die Flugcrew, darunter zwei Frauen, stellte erst am Tag der Anreise fest, wo sie untergebracht werden sollte – und bat dringend um eine andere Unterkunft. Die Soldaten wurden darauf in einem Hotel im Berliner Umland eingebucht.

Bedenken der Flugcrew

"Die Stornierung erfolgte, nachdem sich Angehörige der Besatzung unmittelbar auf dem Internetauftritt über das Hotel informiert hatten", erklärt ein Sprecher des Verteidigungsministeriums den Vorgang. Er verteidigt die Bedenken der Flugcrew: "Da gibt es keine Diskriminierung aus unserer Sicht."

Das "Two Hotel" bezeichnet sich als "Gay Hotel", das "heterofreundlich" sei. Es gehört zur internationalen Gruppe der "Axel Hotels", die laut Internetauftritt "ein Ort für Gays, aber offen für alle" sind. In erster Linie seien die Hotels freie und tolerante Orte der Begegnung, "wo die Vielfalt und der Respekt geschätzt und gelebt werden und zwei Männer genauso anzutreffen sind wie zwei Frauen oder Mann und Frau". Menschen ohne Vorurteile würden willkommen geheißen, respektiert und geschätzt, schreiben die Gastgeber.

Wechsel der Unterkunft

Der Internetauftritt wirbt allerdings auch mit ganz speziellen Türschildern, auf denen nicht wie üblich "Do not disturb" (Bitte nicht stören), sondern "Please disturb" (Bitte stören) steht. Auf der Webseite ist unter anderem das Bild eines nackten Männerkörpers in eindeutiger Pose zu sehen. Vor allem daran stieß sich die Flugzeugcrew offenbar. Die Angehörigen der Besatzung hätten es als "obszön" empfunden, "dass dort für die Buchung ein Klick auf ein Icon erforderlich ist, das sich im Genitalbereich eines nackten Mannes befindet. Daraufhin wurde ein Wechsel der Unterkunft initiiert", sagt der Ministeriumssprecher.





Doch ganz ohne internen Ärger verlief die Umbuchung offensichtlich nicht. In Folge der teuren Stornierung sei unter anderem das Personal "belehrt" worden, "bei der Auswahl der Unterkunft und vor Stornierungen noch sorgfältiger zu recherchieren, um zukünftig Stornokosten zu vermeiden", weiß der Sprecher zu berichten. Im vorliegenden Fall seien die Stornierungsbedingungen von dem Sachbearbeiter falsch interpretiert worden: "Aufgrund einer sogenannten Gruppenbuchung der elf Zimmer war die auf der Homepage angegebene kostenlose Stornierung bis 18:00 Uhr nicht zutreffend."

Mehr Chancengleichheit

Das "Two Hotel" jedenfalls nimmt seine E-Mail an von der Leyen auch zum Anlass, die Verteidigungsministerin an ihren Anspruch zu erinnern, mehr für die Chancengerechtigkeit von Homo- und Bisexuellen in der Truppe zu tun. Das Hotel schreibt, "vielleicht sollten Sie zu Ihrem Workshop 'Sexuelle Orientierung und Identität in der Bundeswehr' die Flugbereitschaft aus Köln einladen".

Das Schreiben des "Two Hotels" endet allerdings freundlich: "Diese E-Mail dient lediglich Ihrer Kenntnisnahme. Liebe Grüße aus Wilmersdorf, das Rezeptionsteam". Eine offizielle Antwort soll das Hotel auch noch erhalten, verspricht das Verteidigungsministerium. Das Schreiben befinde sich "derzeit in Erstellung".

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