Sonntag, 30. Oktober 2016

Der Führer geht immer

von Thomas Heck...

Über die gegenwärtige mediale Präsenz des Gröfaz Adolf Hitlers kann man sich nur wundern. Auch wenn Guido Knopp mittlerweile im Ruhestand ist, Adolf Hitler ist täglich im Fernsehen präsent. Mehr oder weniger seriöse Dokumentation prasseln im Tagesrhythmus auf den Zuschauer ein. Der Führer geht immer. Wenn das der Führer wüsste, es würde ihn freuen und Goebbels posthum feuern, der es zu Lebzeiten nie geschafft hätte, diese mediale Aufmerksamkeit erzeugen, was auch dem technischen Fortschritt geschuldet ist. 

Nun der Führerbunker. Hitlers Arbeitszimmer im Führerbunker. Jetzt wurde sein Büro originalgetreu nachgebaut – als Attraktion der neuen "Dokumentation Führerbunker". Noch vor der Eröffnung gab es scharfe Kritik.


Riesenandrang im „Berlin Story Bunker“ am Anhalter Bahnhof. Über 100 Reporter aus aller Welt wollten sich die spektakulär angekündigte Dauerausstellung ansehen. So musste die Pressekonferenz und Führung sogar dreimal stattfinden.

Präsentiert werden Ursachen und Folgen des Zweiten Weltkrieges sowie das Leben der Bevölkerung in diesem Luftschutzbunker in Kreuzberg. Bis zu 12.000 Menschen lebten in den engen, eigentlich nur für 3500 Personen ausgelegten Räumen. Im April 1945 brach die Versorgung zusammen: kein Strom, kein Licht, kein Abpumpen von Fäkalien.

Das Gegenmodell war der Führerbunker, 1944 begonnen und nie ganz fertig geworden. Filmarchitektin Monika Bauert (73) baute nun die Anlage aus Holz, Pappe und Styropor nach und gestaltete die Wände mit Bleistift. Im Mittelpunkt: Hitlers Arbeitszimmer, in dem er sich am 30. April 1945 erschossen hatte, in Originalgröße. Die privat finanzierte „Dokumentation Führerbunker“ kostete eine Million Euro.

„Wir wollen keine Hitler-Show machen“, sagt Wieland Giebel vom Verein Historiale, der die Ausstellung entwickelt hat zwar. Doch das sehen andere Historiker, die sich mit der Aufarbeitung der NS-Zeit beschäftigen, anders: Kritik an der Bunkerschau kommt u.a. von der Topographie des Terrors. Gegenüber dem „Spiegel“ erklärte Sprecher Kay-Uwe von Damaros: „Das ist eine Disneyland-Variante mit dem Versuch, Effekte zu erzielen. Wir halten uns nur an Fakten.“

Die Ausstellung ist im „Berlin Story Bunker“ am Anhalter Bahnhof in der Schöneberger Straße 23 und nur innerhalb einer Führung für 12 Euro zu besichtigen. Geöffnet wird Sonnabend 10 Uhr. Und der Andrang war riesig. Am ersten Tag der neuen Ausstellung „Dokumentation Führerbunker“ standen Touristen aus aller Welt Schlange.

Sie kamen aus Japan, Holland, England und natürlich auch aus Berlin: Hitler geht halt immer.

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