Donnerstag, 15. Oktober 2015

Opfer zu Tätern, Täter zu Opfern

von Daniel W. Szpilman...

Angenommen, in Zürich würden Italiener umherlaufen und wahllos Schweizer mit Messern attackieren, nur weil sie Schweizer sind. Ungeachtet der Tageszeit, an belebten Plätzen würden sie sich in die Luft sprengen und ihre gewählte Regierung würde jene Taten nicht nur glorifizieren und nach den Mördern Strassennamen in Rom benennen, sondern als Rechtfertigung für diese Taten diplomatische Konflikte und den territorialen Anspruch auf den Kanton Tessin benennen. Was für uns absurd klingt, ist im einzigen demokratischen Staat im Nahen Osten traurige Realität.

Seit knapp zwei Wochen wüten palästinen­sische Terroristen auf den Strassen Tel Avivs und Jerusalems. Zwölfjährige stechen mit Küchen­messern auf Greise ein. Junge Gotteskrieger, seit Jahren von der Hasspropaganda der Hamas angestachelt, sprengen sich in israelischen Schulbussen in die Luft und reissen Dutzende in den Tod. Die Sicherheitsvorkehrungen werden von den israelischen Autoritäten nun drastisch erhöht. Ein Überwachungsvideo, von der israelischen Polizei veröffentlicht, zeigt, wie ein Auto in Wartende an einer Jerusalemer Bushaltestelle rast, der Fahrer anschliessend aus dem Wagen stürmt und mit einer Axt in der Hand auf die angefahrenen Opfer einschlägt, bis Passanten den Angegriffenen zu Hilfe eilen und den Terroristen überwältigen. Was würden Sie Ihren Kindern raten, wenn sie ­morgens in die Schule müssten und Sie nicht ­wissen würden, ob Sie sie jemals wiedersehen?


Die Proteste der Palästinensischen Autonomiebehörde unter der Führung des vermeintlich moderaten Präsidenten Mahmud Abbas bleiben aus. Im Gegenteil: Ihre Anhänger pilgern zu den Häusern der von der israelischen Polizei festgenommenen oder niedergeschossenen Terroristen. Auch unsere Medien und obsessiven Israelkritiker schweigen.

Dies, obwohl das generelle Interesse an den Geschehnissen in Israel und den damit verbundenen, seit Jahrzehnten andauernden Konflikt ­zwischen Juden und Arabern in der Regel sehr hoch ist. Jede Woche hört man von der diplomatischen Dickköpfigkeit des israelischen Premier­ministers Benjamin Netanyahu, häufig liest man über diplomatische Sackgassen und Israels ­Haltung zum iranischen Atomprogramm. In wacher Erinnerung bleiben die zahlreichen Artikel und Blog-Beiträge westlicher Journalisten, als Israel nach einer ähnlichen Anschlagserie im ­Sommer 2014 mit einer militärischen Offensive gegen die Hamas im Gazastreifen vorging.

Bei den aktuellen Anschlägen geht es nicht um einen palästinensischen Nationalstaat oder um israelischen Siedlungsbau. Nie ging es darum. Grund für diese Morde ist der seit Jahrzehnten geschürte und ideologische Hass, von der Palästinensischen Autonomiebehörde begünstigt, deren Bildungssystem das Ermorden von Juden und Ungläubigen praktisch zur Hausaufgabe erklärte. In diesem Moment nicht mit dem Finger auf die Urheber des Schlachtens zu zeigen und später bei jeder Abwehrhandlung Israels empört aufzuschreien, begünstigt die andauernde Mordserie, indem Opfer zu Tätern und Täter zu Opfern ­stilisiert werden. 

Zuerst erschienen in der Basler Zeitung



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