Sonntag, 13. September 2015

Das Spiel mit der Angst

von Dr. Eran Yardeni...


Das Wort Angst ist selten positiv assoziiert. Ängste sind zwar ein Zeichen eines gesund funktionierenden Selbstschutzmechanismus, gelten aber in der Umgangssprache bestenfalls als verständliche gedankliche Hindernisse und schlimmstenfalls als völlig irrationale Hemmungen, die unbedingt überwunden werden müssen. In der politischen Sphäre verhält es sich ein bisschen anderes. Da werden Ängste - vor allem die Angst vor Veränderung und Erneuerung - fast immer den konservativen Fraktionen zugeschrieben, während sich links-grün geprägte Ängste und Panikattacken - wie z.B Deutschlands übereilter Atomausstieg nach der Explosion im März 2011 in dem Kernkraftwerk von Fukushima - als durchdachte Entscheidungen verkaufen lassen. In diesem Sinn ist es auch verständlich, warum die Befürworter der unkontrollierten Massenaufnahme von Flüchtlingen ständig den Versuch unternehmen, jede Kritik und jeden Zweifel an ihrer phantastischen Weltvorstellung als Angst zu degradieren. Denn Angst bedeutet konservativ und konservativ bedeutet das ewige Exil in der Welt von gestern.

Genau deswegen ist es aber mehr als rätselhaft, warum diejenigen, die Merkels Fehlpolitik bezüglich der Flüchtlingssintflut kritisieren, ausgerechnet die Angst der Bürger vor den Konsequenzen dieser Masseneinwanderung zu dem Kernbegriff ihrer Kritik gemacht haben. 

Denn nicht die Ängste des Bürgers sollten ernst genommen werden, sondern der Gegenstand dieser Ängste. Angst zu haben, ist noch kein diskussionsfähiges Argument. Diese Angst sollte auch berechtigt sein – und in diesem Fall ist sie es auch. 



Wenn die EU Bürger Angst haben, dann deswegen, weil sie im Rahmen eines politischen Konstrukts leben, dessen Grenzen nicht mehr geschützt werden können und so de facto nur auf dem Papier existieren, auch wenn sie de jura von jedem Drittklässler auf der Karte zu finden sind. Man kann ein- und ausreisen und genauso gut mit einem Kühltransporter, beladen mit 71 Leichen, ungestört und unkontrolliert quer durch Europa fahren. Das ist eine uneingeschränkte Bankrotterklärung der europäischen Staatlichkeit. Das macht Angst.

Wenn die EU Bürger Angst haben, dann deswegen, weil sie wissen, was in Husby-Stockholm, in den Einwanderervierteln von Paris, in Bremen, in Berlin-Neukölln und Duisburg passiert – im letzteren wird übrigens auf Wunsch des islamischen Wählerbündnis geprüft, „ob es getrennte Schwimmzeiten für Muslime und Nicht-Muslime geben sollte“. 

Wenn die EU Bürger Angst haben, dann deswegen, weil sie sich von der Dankbarkeit der ersten Generation nicht mehr täuschen lassen wollen. In diesem Film waren sie schon. Sie sind erfahren und nüchtern genug, um zu wissen, dass die Dankbarkeit der ersten Generation früher oder später auf den harten Boden der Realität, der unerfüllten Erwartungen und der Identitätskrise der zweiten Generation prallen wird. 

Wenn die EU Bürger Angst haben, dann deswegen, weil uns die deutsche fehlgeleitete Politik vor eine Mammutaufgabe stellt, die nur eine Tendenz kennt: Immer größer zu sein. Denn je aufgeschlossener wir sind, je effizienter die Flüchtlinge aufgenommen werden, desto mehr von ihnen werden versuchen, ihr Glück in Europa zu finden. Diese Politik ist auf Dauer aussichtslos.

Ich bin zwar nicht naiv genug, um zu glauben, dass die EU Bürger sich Sorgen machen, weil es ihnen bewusst ist, wie verbreitet der Antisemitismus in islamischen Ländern ist. Wie viele Flüchtlinge den Judenhass mit nach Europa schleppen – das werden wir am nächsten Al-Quds Tag europaweit sehen. In diesem Punkt ist es aber wenigstens von den offiziellen und nicht offiziellen Repräsentanten des jüdischen Volks in Europa zu erwarten – von Michel Friedmann zum Beispiel, der erstaunlicherweise vehement für die Massenaufnahme plädiert, als wüsste er nicht, wie viele Juden in den letzten Jahren Frankreich verlassen mussten, weil sie sich von moslemischen Mitbürger auf der alltäglichen Ebene bedroht fühlten – auch diesen Punkt in die öffentliche Diskussion zu bringen.


Mehr als Ängste sind es Gründe...

Erschienen auf dem Blog Das Loch


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